Schon 1493 entdeckte Christoph Kolumbus die ostkaribische Insel Dominica, doch wurde sie erst relativ spät besiedelt. Das Schicksal der indigenen Bevölkerung war dennoch besiegelt: im 17. Jahrhundert wurde sie von französischen Siedlern aus ihren traditionellen Siedlungsgebieten vertrieben. Die Franzosen führten nicht nur das Plantagensystem ein, sondern holten Sklaven aus Afrika und veränderten damit die Bevölkerungsstruktur nachhaltig. Kaffee und Zuckerrohr waren die wirtschaftlichen Hauptinteressen der Kolonialherren.
Ende des 18. Jahrhunderts kam es zum Aufstand der Sklaven gegen die Weißen, der in den sogenannten Maroon Wars gipfelte. Zwar wurde die Insel 1815 britische Kolonie, doch ist sie kulturell bis heute in manchen Aspekten französisch, was sich beispielsweise im Katholizismus der Bevölkerung zeigt.
Die Maroon Wars bildeten für die inzwischen mehrheitlich schwarze Bevölkerung einen gewissen politischen Wendepunkt. Die Lebensbedingungen allerdings verbesserten sich für sie dabei kaum. Daher war Dominica bis ins 20. Jahrhundert hinein immer wieder von politischen Unruhen geprägt.
Die Selbständigkeit erreichte die Insel erst 1978, 1951 wurde das allgemeine Wahlrecht eingeführt. 1967 wurde Dominica mit der „Associated Statehood“ eine partielle Selbstverwaltung gewährt und damit die demokratische Entwicklung gefördert. Lediglich die Außenpolitik blieb bis Ende der 70er Jahre in den Händen Großbritanniens.
(Sahr, Wolf-Dietrich: Dominica. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 98-100) |