Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde Costa Rica von den Spaniern als abgelegen und geostrategisch bedeutungslos eingeschätzt. Über zwei Jahrhunderte stellte es die ärmste der von der Capitanía General de Guatemala abhängigen Provinzen Zentralamerikas dar. Für die Kolonialherren interessant schien lediglich das fruchtbare Tal im Zentrum des Landes. Da es nach der grausamen Dezimierung der Urbevölkerung kaum billige indianische Zwangsarbeiter gab, entstand auch kaum Großgrundbesitz, sondern die spanischen Siedler waren gezwungen, ihr Land überwiegend selbst zu bewirtschaften. Die Landwirtschaft beruhte bald auf Subsistenzwirtschaft. Das bekannte Schlagwort von der armen, aber egalitären „ländlichen Demokratie“ Costa Ricas verwischt zwar die tatsächlichen sozialen Unterschiede, verdeutlicht aber die für das Land bis heute typische Art, die gesellschaftlichen Konflikte eher durch Konsensfindung als durch Gewaltanwendung zu lösen.
Im Jahre 1821 wurde Costa Rica wie seine Nachbarländer unabhängig, blieb aber bei den Vereinigten Provinzen Zentralamerikas. 1848 wurde die unabhängige Republik Costa Rica ausgerufen. Der erfolgreiche Befreiungskrieg von 1856 gegen die Filibuster unter William Walker, die Zentralamerika erobern und in „Sklavenhalterstaaten“ verwandeln wollten, stärkte das Nationalbewusstsein.
Gegen Mitte des 19. Jahrhunderts kam es durch den Kaffeeboom zu steigendem Wohlstand eines kleinen Teils der Gesellschaft und zur Öffnung nach außen. Eine liberale Elite aus den zu Wohlstand gekommenen Kaffeeplantagenbesitzern und –exporteuren bestimmte bis 1948 die politischen Geschicke des Landes. Neben Kaffee gehörten Bananen zum wichtigsten Exportgut, wobei die Bananenplantagen nahezu ausschließlich in US-Besitz waren.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nahmen soziale Spannungen zu. 1934 setzten streikende Plantagenarbeiter eine Reihe wichtiger Reformen durch. Damit in Zusammenhang stehend, wurde 1940 Rafael Angel Calderón Guardia zum Präsidenten gewählt und startete gegen den Willen der Oberschicht soziale Reformen. Unterstützung erfuhr er hingegen von der Katholischen Kirche, der Kommunistischen Partei und von Seiten der Gewerkschaften. Als Calderón Guardia 1948 die Wahlen gegen den Kandidaten der konservativen Opposition, Otilio Ulate, verlor, erklärte der Kongress die Wahlen für ungültig. Darauf kam es zum bewaffneten Aufstand. Die Aufständischen siegten und José Figueres, Vertreter des Mittelstandes, wurde für 18 Monate Vorsitzender einer Übergangsregierung. Doch schon ein Jahr später erlangten die Konservativen bei der Wahl zur verfassungsgebenden Versammlung die Mehrheit, sodass in der neuen Verfassung von 1949, viele Reformvorschläge von Figueres verloren gingen.
(Spitta, Arnold: Costa Rica. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 88-97) |