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Länder Lateinamerikas und der Karibik
Geschichte und politische Systeme
Mag. Daniela Ingruber und Bastian Oppl
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 6 Bolivien

6.1 Geschichte

Bolivien wurde 1538 von den Spaniern erobert und dem spanischen Vizekönigreich Peru eingegliedert, ehe es 1776 zum Vizekönigreich Buenos Aires kam. 1824 rief A. J. de Sucre, der unter dem Namen Simón de Bolívar weltberühmt wurde, die unabhängige Republik Bolivien aus. Er wurde auch erster Präsident des Landes.

Im Pazifik-Krieg (1879-1883) verlor Bolivien seinen Zugang zum Meer.

In den folgenden Jahren gab es teilweisen wirtschaftlichen Aufschwung im Südwesten und im Nordwesten des Landes, der zu Machtansprüchen der beiden Regionen über die gesamte Republik führte und in der sogenannten Föderalen Revolution (1899-1900) mit dem Gewinn des Nordwestens endete. La Paz wurde Regierungssitz.

Anfang des 20. Jahrhunderts stiegen die Bergbauunternehmer und die Großgrundbesitzer zu einer mächtigen Oligarchie auf, die sich bis in die 50er Jahre halten konnte. Zwar bildete sich im Zuge der Weltwirtschaftskrise und infolge des gegen Paraguay verlorenen Chaco-Krieges (1932-1935) eine Opposition, doch brach die Herrschaft der Großgrundbesitzer erst im April 1952 infolge eines Volksaufstandes zusammen. Die Nationalistische Revolutionäre Bewegung (MNR) übernahm damals die Regierungsmacht und führte zwischen 1952-1955 tiefgreifende Reformen, wie die Verstaatlichung der Bergbauunternehmen, durch. Auch das allgemeine Wahlrecht wurde eingeführt. Ein Hauptanliegen der MNR, die bis 1964 an der Macht blieb, war die Diversifikation der Wirtschaftsstruktur, in die sich der Staat einmischen sollte.

Ende der 70er Jahre wurde die wirtschaftliche Situation schlechter und destabilisierte das politische System abermals. So herrschten alleine zwischen 1978 und 1985 zehn verschiedene Regierungen. Boliviens Wirtschaft litt in diesen Jahren zudem unter der galoppierenden Inflation. Regierungschef V. Paz Estenssoros beendete den Staatsinterventionismus Mitte der 80er Jahre zugunsten einer liberalen Wirtschaftspolitik. Dass seine Politik zumindest teilweise erfolgreich war, lag allerdings in großem Maße am informellen Sektor, ohne den das Wirtschaftssystem Boliviens vollständig zusammengebrochen wäre – eine Gegebenheit, die heute nach wie vor gültig ist.

(Bieber, León E.: Bolivien. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 47-59)

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