(Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2003 (2002) Fischer Taschenbuch Verlag: FFM: 109-110)
Barbados wurde 1966 unabhängig und ist als eigenständiger Staat dem Commonwealth of Nations eingegliedert. Somit ist die britische Königin das Staatsoberhaupt, vertreten durch einen Generalgouverneur, der vorwiegend repräsentative Aufgaben hat. Die eigentliche Macht liegt nach britischem Vorbild beim Premierminister und der stärksten Partei. Das Parlament basiert auf einem Zweikammersystem, bestehend aus Repräsentantenhaus und Senat, wobei die 28 Abgeordneten des House of Assembly in direkter Wahl alle fünf Jahre gewählt und die 21 SenatorInnen auf Vorschlag des Premierministers und der Opposition ernannt werden.
Das politische Machtgefüge änderte sich bald nach Ende der Kolonialzeit zugunsten der schwarzen Bevölkerungsmehrheit. Wirtschaftlich verblieb die Macht allerdings bei der weißen Minderheit, sodass die Schere zwischen arm und reich heute weiter besteht, auch wenn der Lebensstandard aufgrund einer gewissen politischen Stabilität insgesamt höher als in anderen karibischen Staaten ist.
Aufgrund des Mehrheitswahlrechts besteht die politische Landschaft Barbados im Großen und Ganzen aus einem Parteiensystem mit nur wenigen Parteien, die in der Lage sind, ins Parlament zu gelangen. Wichtigste Partei ist die Barbados Labour Party/BLP mit derzeit 26 von 28 Sitzen im Repräsentantenhaus. Die Democratic Labour Party/DLP, einst die führende Partei des Landes, die mit ihrem Premierminister Errol Barrow das Land in die Unabhängigkeit geführt hatte, ist bis zur Bedeutungslosigkeit geschrumpft.
Aktuelle politische Situation:
Zollerleichterungen für Unternehmen bildeten über viele Jahre starke Anreize für die verschiedensten ausländischen Firmen. Daher gilt Barbados wie die meisten anderen karibischen Staaten als klassisches Land für sogenannte offshore-Finanzgeschäfte. Wie wichtig dieser Bereich ist, verdeutlicht auch der Umstand, dass der gegenwärtige Premierminister gleichzeitig als Finanzminister fungiert.
Wie alle Staaten der Region leidet Barbados unter der zunehmenden Kriminalität, insbesondere Drogenschmuggel. Politisch gesehen gehört das Land jedoch nach wie vor zu den stabilsten des karibischen Raumes.
(Bernecker, Walther L./Sommavilla, Antonio: Barbados. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 38-43)
und
(Geschehnisse, die die Zeit ab den frühen 90er Jahren betreffen: Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2000/2001/2002/2003 Fischer Taschenbuch Verlag: FFM) |