(Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2003 (2002) Fischer Taschenbuch Verlag: FFM: 103-104)
Seit 1973 sind die Bahamas eine Parlamentarische Monarchie. Aus demselben Jahr stammt die heute gültige Verfassung. Das politische System ist nach britischem Vorbild aufgebaut.
Das Parlament setzt sich aus zwei Kammern zusammen, wobei die Zahl der Abgeordneten, die über Mehrheitswahlrecht nach britischem Vorbild alle fünf Jahre gewählt werden, seit Beginn der 80er Jahre mehrfach verändert wurde. Derzeit liegt sie bei 40 Abgeordneten. Die 16 SenatorInnen werden hingegen für 5 Jahre ernannt; neun vom Premierminister, vier von der Opposition und drei vom Gouverneur.
Der Gouverneur ernennt als Vertreter der Queen den Führer der stärksten Partei zum Premierminister.
Die Gesellschaft auf den Bahamas setzt sich heute zum Großteil aus den Nachfahren jener Sklaven zusammen, die nach ihrer Befreiung von den USA eingewandert sind, und nur ca. 15% Weißen zusammen, dennoch befindet sich die wirtschaftliche und soziale Macht nach wie vor in Händen der weißen Minderheit. Ganz deutlich zeigt sich das bei den Arbeitslosenstatistiken, die vorwiegend den afrikanischen Teil der Bevölkerung betreffen. Es ist vorwiegend der informelle Sektor, der das Überleben der ärmeren Schichten sichert und damit auch das Wirtschaftssystem aufrecht erhält, da dieses den Lebensunterhalt der Bevölkerung nicht zu decken vermag.
Die wichtigsten Parteien sind die Progressive Liberal Party (PLP), die bei de Wahlen von 2002 einen Erdrutschsieg mit 28 von 40 Sitzen erreichte und nun den Premierminister stellt, das Free National Movement, das 1997 noch 4 Sitze erreichte und nun auf 8 Mandate gesunken ist, und schließlich noch die sogenannten Unabhängigen, die erst seit den letzten Wahlen im Parlament vertreten sind.
Aktuelle politische Situation:
Seit Ende der 60er Jahre und mit einer ca. zehnjährigen Unterbrechung wieder ab 2002 stellt die Progressive Liberal Party/PLP den Premierminister. Die Abwahl des FNM als stärkste Partei kündigte sich bereits 2001 an, als ein Referendum zu einer Verfassungsänderung , die vor allem das Wahlsystem und die Staatsbürgerschaft betroffen hätte, von der Bevölkerung abgelehnt wurde.
Die vorhergehende wie auch die neue Regierung widmen sich intensiv der Bekämpfung der Geldwäsche. Anfang 2001 traten neue Gesetze dazu in Kraft, nachdem die OECD die Bahamas als Steuerparadies eingestuft und auf seiner schwarzen Liste Financial Action Task Force vermerkt hatte. Der vermeintliche Erfolg stellte sich rasch ein. Die Firmengründungen gingen innerhalb weniger Monate um ca. 70% zurück und die Bahamas von jener Liste gestrichen wurden. Wirtschaftlich stellt das allerdings ein Problem dar.
Nachdem das Finanzwesen und der Tourismus nach wie vor die Hauptwirtschaftszweige der Bahamas darstellen (Tourismus macht etwa die Hälfte der Staatseinkünfte aus), zeigen sich die Folgen des 11. September mit einem Einbruch in der internationalen Reisetätigkeit bereits deutlich. Die neue Regierung steht somit vor einer schwierigen Aufgabe.
(Bernecker, Walther L./Glatz, Markus: Bahamas. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 32-38)
und
(Geschehnisse, die die Zeit ab den frühen 90er Jahren betreffen: Baratta, Mario von (Hg.): Fischer Weltalmanach 2000/2001/2002/2003 Fischer Taschenbuch Verlag: FFM) |