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Länder Lateinamerikas und der Karibik
Geschichte und politische Systeme
Mag. Daniela Ingruber und Bastian Oppl
Institut für Geschichte der Universität Wien
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2.1 Geschichte

Argentinien wurde 1816 unabhängig. Es folgten vierzehn turbulente politische Jahre, in denen sich keine Gruppe als Sieger durchsetzen konnte. Durch die autoritäre Machtübernahme von Juan Manuel de Rosas wurde diese Periode, der ein Hauch von Anarchie anlastete, beendet. Nachdem de Rosas 1852 gestürzt worden war, entstand jene argentinische Verfassung, die die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche sowie politische Entwicklung des Landes bis in die Gegenwart schuf.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wandte sich Argentinien dem Welthandel und liberalen politischen Ideen zu, wobei die Agrarexporte hauptsächlich nach England gingen. Für die indigenen Gruppen bedeutete das wenig Gutes.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Argentinien durch Masseneinwanderung einerseits und die systematische Zurückdrängung der indigenen Urbevölkerung andererseits zum sogenannten „europäischsten“ Staat Lateinamerikas.

Mit der Weltwirtschaftskrise brach das bis dahin funktionierende Import-Export-Schema zusammen. Eine kleine Gruppe konservativ-nationalistischer Militärs nutzte die Gelegenheit zum Putsch. Beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde deutlich, dass Argentinien nicht mehr auf die traditionellen Konzepte zurückgreifen konnte und wollte. Die Regierung betrachtete es als notwendig, eine inländische industrielle Entwicklung zu verfolgen. Das durch den davon ausgehenden scheinbar entstehenden Aufschwung in die Städte strömende Proletariat verhalf Oberst Juan Domingo Perón zur Macht (1943-1955), da er den ärmeren Bevölkerungsschichten eine Besserung ihrer Situation durch Sozialmaßnahmen versprach. Peróns Plan war, dass Argentinien seinen eigenen unabhängigen „dritten Weg“ finden sollte. Dementsprechend groß war der Rückhalt für diesen Weg des sogenannten Peronismus in der Bevölkerung. Perón erhielt weitgehende Handlungs- und Entscheidungsfreiheit. Erst der Versuch des Regimes die Katholische Kirche anzugreifen, führte die einzelnen oppositionellen Gruppen zu einer gemeinsamen Oppositionsfront zusammen.

Auch Perón wurde schließlich (1955) gestürzt. Es folgte eine lange Phase politischer Instabilität. Daraufhin übernahm das Militär 1966 unter General Onganía die Regierung. Schon drei Jahre später traten wiederum Teile des Militärs für freie Wahlen ein, nachdem ein Studenten- und Arbeiteraufstand die Schwäche der Regierung offenbart hatte. Auch diese Phase währte nicht lange: die Ende der 60er Jahre entstandene Guerillabewegung brachte die Regierung in Bedrängnis bis hin zur Handlungsunfähigkeit.

Schon 1976 übernahm das Militär wieder die Herrschaft, diesmal allerdings unter einer Regierungsjunta. Diese machte es sich zum Ziel, einerseits die Guerilla zu bekämpfen und andererseits die Volkswirtschaft nach marktwirtschaftlichen Kriterien umzugestalten. Beide Versuche scheiterten und diskreditierten den Staat nach außen hin – insbesondere aufgrund der zahllosen Menschenrechtsverletzungen. Den Höhepunkt bildete 1982 der Krieg um die Malvinen (besser bekannt als Falkland-Krieg), der von innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken sollte, doch diese nur verstärkte. Die direkte Folge waren Neuwahlen im Jahre 1983, die der Kandidat der mitte-links stehenden „Radikalen Partei“ (UCR) Raúl Alfonsín gewann. Alfonsín gelang es zwar, die Streitkräfte zumindest teilweise für ihre Menschenrechtsverletzungen gerichtlich zur Verantwortung zu ziehen, er scheiterte allerdings daran, die Macht der peronistischen Gewerkschaften einzuschränken. Somit schlugen auch seine wirtschaftlichen Reformen fehl. Bei den folgenden Präsidentschaftswahlen (1989) führte Carlos Saúl Menem den Peronismus zurück an die Macht und verschlimmerte die wirtschaftliche Situation langfristig.

(Stausberg, Hildegard: Argentinien. In: Waldmann, Peter/ Krumwiede, Heinrich-Wilhelm (1992, 3. Aufl.): Politisches Lexikon Lateinamerika. C.H. Beck: München: 17-31)

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