Wenn Warman von der „Rache des Mais“ in der Hand der Europäer spricht, meint er auch die Ignoranz der Kolonialherren und ihrer Chronisten. Nimmer müde berichteten diese von den Schlachtfeldern. Der Alltagskultur, in diesem Fall dem Kochen, das in Frauenhänden lag (Sahagún 1988:606), schenkten sie nur dort ihre Aufmerksamkeit, wo es um die Bekämpfung von Irrglauben und damit den Nutzen des Herrschaftsprojekts ging (Kaller-Dietrich 1999:334f). Das erstaunt umso mehr, als die Truppen der Conquistatoren bei ihren Feldzügen Richtung Süden den Mais in ihre Proviantierung aufgenommen hatten. Die Quellen über die Zerschlagung des Inka-Reichs berichten davon. Es wäre interessant zu erfahren, in welcher Form die Spanier ihren aus Mittelamerika mitgeführten Mais zubereiteten. Darüber schweigt die Überlieferung (Coe 1996:51).
Ein mögliche Erklärung für diese Ignoranz wäre, dass der Mais als Speise in den Reihen der feinen Gesellschaft nie einen guten Ruf genoß. Die herrschaftliche Kultur des Weizens verabscheute den Mais als minderwertiges Getreide. Jahrhunderte nach der Invasion der spanischen Konquistatoren in Amerika äußerte sich auch die österreichische Hofdame Gräfin Paula Kollonitz, die Kaiserin Charlotte nach Mexiko begleitet hatte, abwertend über die Maiskost: „Bei Arm und Reich spielen die Tortilla’s und Frijoles eine große Rolle. Erstere sind aus geriebenem Mais verfertigtes Backwerk in der Form einer dünnen Scheibe, tellergroß, weich und geschmacklos. Dieses vertritt bei der unteren Klasse die Stelle des Brodes; leichtgerollt wird es von dieser auch als Löffel benützt und die Frijoles werden mit demselben herausgeschöpft und gegessen“ (Kollonitz 1867:133). Solche Worte spiegeln das koloniale Schicksal der Kulturpflanze Mais und in der Folge ihre symbolisch untergeordnete Rolle am Weltmarkt für Nahrungsmittel. |