Es fällt auf, daß die Geschichte der alltäglichen Ernährung nicht konsequent mit dem Phänomen des europäischen Kolonialismus in Verbindung gedacht und gebracht werden.
Auch Fernand Braudel isoliert sein kurzes Kapitel über den Mais (Braudel 1985:163-168) von dessen Verbreitungsgeschichte im Zuge der europäischen kolonialen Expansion, indem er einen Blick auf die präkolumbische Herkunft und Nutzung von Mais lenkt. Braudel argumentiert, daß es der Kultivierung von Mais als Grundnahrungsmittel zu danken sei, die nach seinen Angaben nur fünfzig Arbeitstage pro Jahr von der Aussaat bis zur Ernte erfordere, daß genügend Arbeitszeit übrig geblieben wäre, um die Bauern der mexikanischen Hochebenen in das „tyrannische Projekt“ der Errichtung von „Monumentalbauten ägyptischen Maßes“ zu zwingen (Braudel 1985:166). An diese Bewertung der präkolumbischen Verhältnisse anschließend verwickelt sich Braudel in Widersprüche zur Verbreitungsgeschichte des Mais in Europa: Demnach „vollzieht sich nach der Entdeckung Amerikas der Vormarsch des Maises inner- wie außerhalb Europas sehr langsam und erst vom 18. Jahrhundert an mit durchschlagendem Erfolg“ (Braudel 1985:170). Weiter unten schreibt derselbe Autor hingegen: „Während sich der Mais in Europa und Afrika verhältnismäßig leicht einbürgern konnte, stieß er in Indien, Burma, Japan und China zunächst auf heftigsten Widerstand“ (Braudel 1985:172). |