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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 2 Die "Zweite Conquista" – Lateinamerika und seine Die "Zweite Conquista" - Lateinamerika und seine Commodities
 up 2.3 Henequén-Boom in Yucatán 1870–1930
 up 2.3.3 Henequén-Produktion auf der Halbinsel Yucatán

2.3.3.2 Die Henequén-Produktion auf Yucatán

Nach den zögerlichen Anfängen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts kommt es zwischen 1870 und 1930 zum eigentlichen Boom des "grünen Goldes" auf Yucatán. Dies ist eine äußerst rasante Entwicklung, wenn man bedenkt, dass die Agave einen sehr langen Anbauzyklus erfordert (fünf bis sieben Jahre).

Die schnelle Entwicklung der Henequén-Produktion illustriert folgende Statistik. Dabei deuten die letzten zwei Vergleichszahlen bereits die beginnende Stagnation an.

Jahr
Ballen
1875
40,000
1880
113,000
1885
267,000
1890
280,000
1895
382,000
1900
500,000
1905
597,000
1910
619,000

(Quelle: Henequén-Produktion 1875–1910. Ein Jahresbericht der Cámara Agrícola de Yucatán, zit. nach: Wells, Allen. Henequen. In: Topik, Steven V./Wells, Allen (1998) (eds.): The second conquest of Latin America. Coffee, henequen, and oil during the export boom 1850–1930. University of Texas Press: Austin: 97)

Das Erfolgsrezept bestand offensichtlich in einer expansiven Massenproduktion. Mit dieser Strategie versuchten die Henequén-hacenderos der US-amerikanischen, kanadischen und russischen Konkurrenz zu begegnen, die mit ihrer Hanfproduktion auf teurere Qualitätswaren setzten.

Bis 1876 unterlag der Markt für Henequén-Sisal starken Preisschwankungen. Die hacenderos reagierten auf diese Schwankungen mit der Modernisierung des Anbaus. Darüber hinaus entwickelten sie ab den 1880er Jahren eine Weiterverarbeitungs-Industrie. In neu errichteten Fabriken wurden die Fasern nun zu Seilen geknüpft. Eine wichtige technische Voraussetzung dafür war die Erfindung der mechanischen Seilbindermaschine im Jahre 1878. Ähnlich wie auf den Zuckerplantagen entwickelte sich in der Henequén-Produktion eine Verbindung zwischen der Produktion des Rohmaterials und der Fertigware, d. h. eine Synthese von Feld und Fabrik. Diese Verlagerung auf die Produktion von Fertigwaren war durchaus von Erfolg gekrönt: Im Jahre 1900 stammten 85% der mechanisch erzeugten Seile aus Yucatán. Ein Großteil dieser Seile wurde auf den amerikanischen Markt verkauft.

  • Bedeutete dies, dass die Sisalproduzenten zu Trägern einer modernen kapitalistischen Entwicklung in Yucatán wurden?
  • Ging mit diesem Industrialisierungsschub die Herausbildung eines unternehmerischen Geistes in der Elite Yucatáns einher?
  • Konnte gar ein allgemeiner Entwicklungsfortschritt in dieser Region verzeichnet werden?
Ähnlich wie bei den Zuckerplantagen und ihrer Verbindung von Feld und Fabrik blieb eine solche Entwicklung aus. Vielmehr verkörperte die Produktionsstruktur des Henequén in Yucatán eine (aus der Sicht der Hazienda-Arbeiter) bittere Verknüpfung von Hazienda, Plantage und Fabrik.

 down 2.3.3.2.1 Struktur der Investitionen
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