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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 2.3 Henequén-Boom in Yucatán 1870–1930

2.3.2 Die Agave – Eigenschaften und Verwendung der Pflanze

Die Agave gehört – neben dem Hanf und dem Manila-Hanf – zu einer jener drei Pflanzen, die seit der europäischen Expansion für die Herstellung von Seilen, Verpackungsgeweben etc. in Gebrauch standen und um die Marktführerschaft konkurrierten. Die Fasern der Agave traten jedoch erst relativ spät (18. Jahrhundert) in dieser Funktion in den Blick der kolonialen Akteure. Zuvor wurde die Agave-Pflanze für andere Zwecke und Produkte verwendet.

Botanisch gehört die Agave zur Familie der Agavaveae. Die hundertjährige Aloe wird als Agave americana und die Sisal-Agave als Agave sisalana klassifiziert. ("Agave" Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993–2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.)

Bereits in der präkolumbischen mesoamerikanischen Ökonomie fand die Agave Verwendung – jedoch für andere Zwecke als in der kolonialen Naturfaser-Herstellung. Aus der Agave wurde eine Art Bier (pulque) hergestellt. Dafür maischte man den Fruchtstamm der Agave ein und vergor ihn. Neben Baumwolle und Kakaobohnen bildete die Agave bzw. der pulque eines der wichtigsten Handelserzeugnisse der präkolumbischen Zivilisationen.

In einigen Regionen wurde die Agave in der Subsistenzlandwirtschaft als Zaun bzw. Windschutz angepflanzt.

Seit der Kolonialzeit ist in Mexiko die Verwendung der Pflanze zur Herstellung eines Agaven-Destillats bekannt. Der Oberbegriff für alle Agave-Destillate ist Mescal. Der Begriff Tequila ist die Regionalbezeichnung für den Mescal aus Guadalajara und Jalisco in Mexiko. Für die Herstellung eines Mescal wird der Saft von Agaven gegoren.

Sowohl für die Mescal- als auch für die Sisal-Produktion wird die Agave-Pflanze bei der Ernte zerstört und muss neu gepflanzt werden. Da Agaven, ähnlich wie der Kaffee, eine lange Zeit bis zur Erntereife brauchen (fünf bis sieben Jahre), erfordert der Anbau eine planmäßige und großflächige Organisation sowie eine hohe Kapitalausstattung zur Überbrückung der Wartezeit. Der Agaveanbau sowie die Mescal- und Sisalproduktion sind daher nur als ökonomische Großprojekte denkbar. Die Sisal- bzw. Fasergewinnung und die Mescal-Produktion vollziehen sich allerdings räumlich und ökonomisch völlig getrennt: Während die Agave für den Mescal in Zentralmexiko angebaut wird, befinden sich die Haziendas für die Sisal-Produktion in Yucatán.

 down 2.3.2.1 Henequén-Agave
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