Das generelle Bild des Kaffeenanbaus in Spanisch-Amerika lässt sich folgendermaßen skizzieren:
1.) Aufgrund fehlender staatlicher Unterstützung war weniger Landerschließung möglich.
2.) Kleinst- und mittelgroße Produktionseinheiten dominieren das Bild. Das Risiko lastet auf diesen ökonomisch verwundbaren Kleinproduzenten.
3.) Transportprobleme von den Anbaugebieten zu den Atlantikhäfen. Der Transport muss von den Klein- und Mittelproduzenten alleine organisiert werden.
4.) Der Zusammenschluss der Kaffeebauern geht nicht über die Ebene von Kooperativen hinaus (z. B. Vermarktung). Sie sind damit direkt dem Weltmarkt ausgesetzt. Die einzige Perspektive liegt in der Produktion von arbeitsintensivem Qualitätskaffee und Nischenprodukten (z. B. Transfair-Kaffee).
Die Verhältnisse in der Kaffeeproduktion in Mittelamerika weichen zum Teil von diesem generellen Bild ab. In Mittelamerika bestanden und bestehen im Kaffeekomplex noch Formen der Zwangsarbeit. So wurde im 19. Jahrhundert die koloniale Form indigener Zwangsarbeit, das repartimiento, als mandamiento de trabajo neu aufgelegt. Die liberalen Landgesetze in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entzogen dem indigenen Kommunalland den Schutz. Das Kommunalland wurde enteignet und für Produktion von Cash-Crops nutzbar gemacht. Die Reaktion der indigenen Bevölkerung war einerseits der Rückzug in Randregionen mit prekären Bedingungen für die Landwirtschaft, die Landflucht andererseits.
Mehrere Mechanismen vermochten die indigene Bevölkerung auf die Kaffee-fincas zu zwingen:
- Schuldknechtschaft
- Zwangsarbeitsgesetze (mandamiento de trabajo)
- Vagantengesetze (mit diesen konnte jeder frei Aufgegriffene ohne Arbeitsnachweis auf eine finca gezwungen werden)
Diese Mechanismen wirken zum Teil bis heute. Vor allem Wander- und Saisonarbeiter befanden sich aufgrund des regelmäßigen Einkommensausfalls in dauernder Verschuldung.
Eine historische Ausnahme bildet Mexiko, wo dieser Verdrängungsprozess der indigenen Bevölkerung im Zuge der Mexikanischen Revolution abgeschwächt wurde.
Mit den liberalen Reformen ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ging zudem eine Neudefinition der ethnischen Beziehungen einher. Das Ziel war die Modernisierung des Landes; die Kaffeeproduktion sollte unter anderem ein Hebel für diese Modernisierung sein. Hinter dieser Modernisierung stand ein europäischer Zivilisationsbegriff. Dieser Zivilisation näher zu kommen, brachte auch die "Aufhellung" der Bevölkerung im ideologischen Diskurs mit sich. Verkörpert wurde dieser Prozess durch den Mestizen. Unter mestizo sei keine Hautfarbe verstanden, sondern ein kulturell-politisches Konstrukt.
Während in Mexiko, Kolumbien und Venezuela von einer Mestizierung der offiziellen Selbstdarstellung der Nation gesprochen wird, wird in Zentralamerika der Begriff ladinización verwendet. |