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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.3 Die Kubanische Revolution 1959
 up 4.3.2 Die revolutionäre Krise von 1933

4.3.2.1 Die Folgen der revolutionären Krise von 1933

Die revolutionäre Krise von 1933 hatte tiefgreifende Spuren hinterlassen. Viele dieser Spuren wiesen Parallelen zu den ebenfalls aus den Folgen der Weltwirtschaftskrise entstandenen populistischen Regimen in ganz Lateinamerika auf. So gehörte ein anti-imperialistisch ausgerichteter Nationalismus von nun an zum diskursiven Repertoire jeder Regierung in Kuba.

Die kommunistische Partei, die sich in Sozialtistische Volkspartei (Partido Socialista Popular [=PSP]) umbenannt hatte, akzentuierte ihre Orientierung auf die so genannte fortschrittliche nationale Bourgeoisie mit neuer Vehemenz. Sie setzte eine breite Kooperation mit den politisch Herrschenden um (Volksfrontpolitik). Dafür erlangte sie Legalität und Organisationsfreiheit. Im Jahre 1942 wurden ihr sogar zwei Minister in der Regierung Batista zugestanden. Die Stalinisierung der Kommunisten, ihre reform- und machtorientierte Zusammenarbeit mit dem Bürgertum und ihre Absage an jede revolutionäre Veränderung diskreditierten diese politische Gruppierung zusehends. In der Kubanischen Revolution selbst spielte sie daher keine Rolle.

Die Regierungen nach 1933 gaben – ähnlich wie die populistischen Regime in ganz Lateinamerika – dem Druck der sozialen Bewegungen nach. Vor allem das städtische Proletariat erhielt Zugeständnisse: Lohnerhöhungen, Arbeitszeitverkürzung, Urlaub etc. Zu einer tiefgreifenden Umorientierung der Ökonomie hin zu einem binnenorientierten Modell, das auf eine importsubstituierende Industrialisierung gesetzt hätte, kam es jedoch nicht.

Die sozialen Zugeständnisse und das veränderte Kräfteverhältnis zwischen Kapital und Arbeit führten während der 1930er und 1940er Jahre zu abnehmenden Investitionen. Die Investoren beklagten das seit 1933 bestehende labour problem in Kuba.

In diesem Zusammenhang ist der Putsch Fulgencio Batistas im Jahre 1952 zu sehen. Die zweite Diktatur Batistas versuchte den revolutionären Schutt von 1933 zu beseitigen und die Investitionsbedingungen wieder zu verbessern.

Bei der Machtübernahme Batistas 1952 hatte sich die anti-imperialistische Rhetorik aller Parteien bereits als hohl erwiesen. Die meisten Parteien hatten sich an Regierungen beteiligt, keine war den in sie gesetzten Hoffnungen gerecht geworden. Das systemimmanente politische Spektrum war diskreditiert. Das Ende der Diktatur Batista zu Beginn des Jahres1959 sollte daher auch keiner der etablierten politischen Akteure einleiten, sondern ein völlig neuer politischer Akteur: eine Guerilla-Armee, angeführt von Fidel Castro.

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