Victor Raúl Haya de la Torre (1895–1979) gründete 1924 im mexikanischen Exil die Alianza Popular Revolucionaria Americana (=APRA). Sie sollte sich als anti-imperialistische und anti-oligarchische Verbindung in allen Ländern Lateinamerikas etablieren. Die zu Beginn tatsächlich länderübergreifende Initiative reduzierte sich bis Ende der 1920er Jahre jedoch auf die Aktivitäten in Peru. Im Jahre 1930 ging aus der APRA die Partido Peruano Aprista (=PAP) hervor.
Haya de la Torre nahm in seinem eklektischen ideologischen Diskurs unter anderem auf den Marxismus Bezug. Seine Vorstellungen einer klassenübergreifenden Allianz gegen die hegemonialen Ansprüche der USA und sein Ziel einer eigenständigen kapitalistischen Modernisierung Lateinamerikas rückten ihn in die Nähe der stalinisierten kommunistischen Parteien.
Während aber die kommunistischen Parteien für die eurozentrische Schieflage in der lateinamerikanischen Marxismus-Rezeption standen, verkörperte Haya de la Torre einen indio-amerikanischen Exzeptionalismus. Der Eurozentrismus bedeutete die mechanische Übertragung des europäischen Weges ökonomischer Entwicklung auf Lateinamerika (Feudalismus – Kapitalismus – Sozialismus), der indio-amerikanische Exzeptionalismus verabsolutierte das Spezifische Lateinamerikas (Haya de la Torre sprach von einer eigenen "lateinamerikanischen Raum-Zeit").
Der Widerstreit zwischen Eurozentrismus und Exzeptionalismus zieht sich bis heute durch die Debatten lateinamerikanischer Intellektueller. |