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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 3 Die Weltwirtschaftskrise "1929" in Lateinamerika und die Herausbildung des Populismus
 up 3.2 Die Weltwirtschaftskrise in Lateinamerika
 up 3.2.3 Politische Krisenfolgen – Herausbildung des Populismus
 up 3.2.3.1 Populistische Regime in Südamerika – Brasilien, Bolivien und Paraguay

3.2.3.1.1 Vargas und Dutras in Brasilien (1930–1954)

Gegen die Dominanz der exportorientierten Kaffee-Oligarchie im brasilianischen Staat hatte sich bereits in den 1920er Jahren unter den jüngeren Offizieren der Armee Widerstand geregt. Die Bewegung dieser Offiziere ging als tenentismo (von tenente – Leutnant) in die Geschichte ein. Deren Programm war nationalistisch-demokratisch ausgerichtet. Wirtschaftspolitisch strebte diese Bewegung eine stärkere Binnenorientierung an. Vor dem Hintergrund immer wieder aufflammender sozialer Mobilisierungen ergriff der Politiker Getulio Vargas 1930 mittels eines Putsches die Macht. Dieser Putsch war zu einem guten Teil von außen konzipiert und finanziert worden (besonders die Rockefeller-Stiftung spielte hier eine Rolle). Die tenentismo-Bewegung spaltete sich, ihr rechter Flügel schloss sich Getulio Vargas an, der damit seine Macht stabilisieren konnte. Der linke Flügel des tenentismo näherte sich unter dem Offizier Luis Carlos Prestes der kommunistischen Partei und der Kommunistischen Internationale (=Komintern) an. Sie versuchten 1935 einen erfolglosen Umsturz, der auf eine rein militärische Erhebung und nicht auf soziale Mobilisierungen gesetzt hatte. Dies sollte im Übrigen der einzige von der stalinistischen Komintern geplante und unterstützte Versuch einer Machtübernahme in der Geschichte Lateinamerikas bleiben.

Getulio Vargas vollzog im Jahre 1937 einen weiteren Putsch und etablierte ein autoritäres Regime, das sich in seiner Selbstdarstellung und Struktur eng an die zeitgenössischen Entwicklungen in Italien und Portugal anlehnte. Mit diesem Regime, das sich als estado novo bezeichnete, setzte die Strategie einer importsubstituierenden Industrialisierung in Brasilien voll ein. 1945 wurde Vargas von der Armee seines Amtes enthoben und durch General Eurico Gaspar Dutras ersetzt. 1950 gelang es Vargas – dieses Mal durch Wahlen – erneut das Präsidentenamt zu erringen. 1954 fiel er einem neuerlichen Militärputsch zum Opfer.

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