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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 2.3 Henequén-Boom in Yucatán 1870–1930
 up 2.3.1 Differenzierung von Naturfasern

2.3.1.2 Botanische Zuordnung

Vor der Durchsetzung der Baumwolle war Flachs die gebräuchlichste Naturfaser. Flachs gehört zu einer Pflanzengattung aus der Familie der Leingewächse, die etwa 200 Arten enthält. Neben einigen Zierpflanzen befindet sich darunter auch die als Flachs oder Lein bekannte einjährige Art. Diese wird zur Gewinnung von Fasern und der ölhaltigen Samen wegen angebaut. Die wegen ihrer Fasern und Samen angebaute Lein-Art (der Flachs) trägt den wissenschaftlichen Namen Linum usitatissimum ssp. usitatissimum. Vermutlich stammt die einjährige Leinpflanze von einer zweijährigen Wildpflanze ab, die von Westeuropa über das Mittelmeergebiet bis zum Kaukasus verbreitet ist.

Bereits vor über 10.000 Jahren wurden Stoffe aus Leinfasern hergestellt. Es handelt sich damit um das älteste Gewebe, das es gibt. In der Schweiz hat man bei Funden steinzeitlicher Pfahlbauten neben Kleidungsstücken auch Überreste leinener Fischernetze und nicht verarbeitete Leinpflanzen gefunden. Die Ägypter des Altertums webten leinene Leichentücher, die teilweise noch an den Mumien erhalten sind. Darstellungen des Leinanbaus zieren die Wände zahlreicher ägyptischer Gräber. Auch in der Bibel wird die Herstellung von Leinen erwähnt.

("Lein." Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993–2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.)

Mit der europäischen Expansion seit dem langen 16. Jahrhundert erlangten vor allem drei Naturfaser-Pflanzen das Interesse der Europäer. Diese drei Naturfasern konkurrierten auf dem Weltmarkt:

a.) Der Hanf (Cannabis Sativa):

Diesen baute man vornehmlich im asiatischen Raum an. Dabei kamen verschiedene Vogelhanfsorten zum Einsatz, die vor allem für Schiffsleinwand sowie für andere Gewebe Verwendung fanden.

b.) Der Manila-Hanf:

Dieser wurde aus den Leitbündeln der Blattscheiden einer Bananenart hergestellt. Die Pflanze stammt von den Philippinen. Reife Pflanzen werden ähnlich wie Lein und Hanf verarbeitet. Aus den oft fünf Meter langen, feineren Fasern werden Kleider gewebt. Die äußeren, gröberen Fasern werden zur Herstellung von Matten und widerstandsfähigen Tauen verwendet. Diese Taue gelten als die besten der Welt. Systematische Einordnung in der Botanik: Die Manilahanf erzeugende Art gehört zur Familie der Bananengewächse, den Musaceae. Sie wird als Musa textilis klassifiziert. ("Manilahanf." Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993–2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.)

Der Anbau des Manila-Hanfs auf den Philippinen war bereits in der Kolonialzeit in besondere Produktionsstrukturen eingebunden: Der Manila-Hanf wurde von freien Kleinbauern produziert. Die Kleinbauern traten sogar als Handelsvermittler in erster Instanz auf und organisierten sich manchmal in Kooperativen ähnlichen Strukturen für den Vertrieb. Diese für eine Kolonialware außergewöhnliche Produktionsstruktur ist vor allem auf die Tatsache zurückzuführen, dass der Anbau von Manila-Hanf sehr schwierig und arbeitsaufwendig ist. Hohe Preise, eine stabile Nachfrage sowie das Ausbleiben einer Angebotsexpansion machten den Manila-Hanf zu einem relativ weltmarktimmunen Produkt. Darüber hinaus bauten die freien Kleinbauern auch Reis und Früchte für die Subsistenzproduktion an. Der Manila-Hanf verkörperte damit ein Extra-Einkommen. Die relativ geringe Abhängigkeit der Bauern vom Verkauf des Manila-Hanfs vermochte das Angebot stabil zu halten.

c.) Sisal-Agave:

Aus ihr wird das Gewebe Sisal bzw. Henequén gewonnen. Die Sisal-Agave wurde erst ab dem späteren 18. Jahrhundert als Rohstoff für die Seilproduktion entdeckt. Der Sisal avancierte damit zum qualitativ minderwertigeren, jedoch preislich günstigeren Hauptkonkurrenten des hochwertigen Manila-Hanfs.

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