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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.5 Soziale Bewegungen in Lateinamerika: 1990–2002
 up 4.5.4 El Argentinazo 2001/2002
 up 4.5.4.1 Vom Musterschüler zum Zusammenbruch

4.5.4.1.2 Von den Strukturanpassungen zum Zusammenbruch

Aufstand in Argentinien 2001/2002

Die 1980er Jahre waren durch eine tiefe ökonomische Krise und eine hohe politische Instabilität geprägt – die Inflation erreichte immer wieder astronomische Höhen (1989 über 4000%), das Militär versuchte 1987 und 1988 neuerlich die Macht zu übernehmen. Von 1989 bis 1999 regierte der Peronist Carlos Menem. Er setzte ein drastisches neoliberales Strukturanpassungsprogramm durch. Wie jede peronistische Regierung verdankte auch Menem dem peronistischen Gewerkschaftsverband Confederación General de Trabajo (=CGT) die Aufrechterhaltung des sozialen Friedens. Die unter Menem erreichte Eindämmung der Inflation und ein zeitweilig hohes Wirtschaftswachstum vermochten jedoch nicht die sozialen Folgen von Strukturanpassung und Privatisierungen zu verdecken. Die spekulative Freibeuter-Verschuldung, die hohe Kapitalflucht und die Privatisierungen zu Schleuderpreisen setzten sich unvermindert fort.

Mit dem Regierungsantritt von Fernando de la Rua Ende 1999 wurde eine erneute Wirtschaftskrise spürbar. Privatisierungen (bis hin zum Bildungsbereich), Sozialkürzungen, der Abbau von Staatsbediensteten und die zunehmende Arbeitslosigkeit – unter der Regierung de la Rua nahmen die sozialen Bewegungen sprunghaft zu. Es kam zu insgesamt sechs Generalstreiks. In ihnen zeigte sich die peronistische CGT in ihrer ambivalenten Rolle: Einerseits gab sie dem Druck ihrer Mitglieder nach Kampfmaßnahmen nach, andererseits hielt sie an ihrem korporativistischen und staatstragenden Selbstverständnis fest. Neben den Gewerkschaften trat eine militante Arbeitslosenbewegung – die piqueteros – verstärkt als soziale Bewegung auf.

Im März 2001 wurde Domingo Cavallo neuer Wirtschaftsminister. Während des Jahres 2001 ließ er sich mit immer weitergehenden Vollmachten ausstatten.

Als sich im Dezember 2001 der Staatsbankrott Argentiniens abzuzeichnen begann und der IWF eine vereinbarte Kredittranche nicht auszahlte, ordnete Cavallo die Sperrung aller Bankkonten an (der sog. Corralito – Laufstall). Die ökonomischen und politischen Eliten hatten ihre Einlagen zuvor bereits ins Ausland überwiesen (Kapitalflucht 2001: 13 Mrd. USD).

Die verschiedenen sozialen und politischen Bewegungen bündelten sich daraufhin zu einer allgemeinen Aufstandsbewegung. Neben den Arbeitslosen (piqueteros) und den ArbeitnehmerInnen schlossen sich auch die Mittelschichten den Prostesten an. Massendemonstrationen, Plünderungen, Streiks, Straßenblockaden und cacerolazos (Kochtopfdemonstrationen) prägten das Bild. Am 21. 12. 2001 trat Präsident Fernando de La Rua unter dem Druck der Bewegung zurück. Nachdem drei weitere Präsidenten innerhalb von zwei Wochen keine Stabilisierung der Lage herbeiführen konnten, wurde der Peronist Eduardo Duhalde zum Interimspräsidenten ernannt.

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