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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.5 Soziale Bewegungen in Lateinamerika: 1990–2002
 up 4.5.1 Mexiko und der neo-zapatistische Aufstand
 up 4.5.1.5 Die Neo-Zapatisten: eine "postmoderne" Guerilla?

4.5.1.5.3 Die Forderungen der Neo-Zapatisten

Die Forderungen der Neo-Zapatisten beinhalten:

  • Autonomie
  • Anerkennung der Rechte der Indígenas
  • Agrarreform
  • korrekte Wahlen
  • die Ablöse des PRI-Systems
Zentrale Begriffe, die jedes der zahllosen Kommuniqués der Neo-Zapatisten abschließen, sind: Freiheit, Demokratie, Würde, Gerechtigkeit. Genau besehen orientieren sich die Neo-Zapatisten mit diesen Forderungen an den Verheißungen der Französischen Revolution. Warum diese zweihundert Jahre alten Forderungen in Mexiko noch nicht erfüllt werden konnten und die Frage, WIE diese transzendentalen Verheißungen im kapitalistischen Weltsystem des 21. Jahrhundert erreicht werden könnten, ist hingegen nicht Gegenstand der neo-zapatistischen Diskussion.

Einen bedeutenden Aspekt des Neo-Zapatismus stellen die neuen politischen Vermittlungsformen dar. Vor allem der zum Mythos gewordene Sprecher der Neo-Zapatisten, Subcomandante Marcos, ersetzte den leblosen, knochentrockenen Duktus der marxistisch-leninistischen Pamphlete der Vergangenheit durch eine neue Sprache. Durch die poetische Form politischer Vermittlung konnten die Neo-Zapatisten der Verheißung auf dignidad (Würde) eine neue Glaubwürdigkeit verleihen. Darüber hinaus machten sich die Neo-Zapatisten die Kommunikationsmöglichkeiten des Internets zunutze. Ihre Internet-Präsenz im Sinne einer netzwerkartigen Struktur von unten vermochte auf effiziente Weise internationale Unterstützung zu mobilisieren.

Die Kritik an universalistischen Großprojekten, die Betonung von Vielfalt, Autonomie und Netzwerkstrukturen, der Begriff der Zivilgesellschaft, die Verwendung des Internets als politisches Instrument, die partikulare Indígena-Identität – schnell wurden die Neo-Zapatisten als "postmoderne Guerilla" bezeichnet.

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