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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.5 Soziale Bewegungen in Lateinamerika: 1990–2002
 up 4.5.1 Mexiko und der neo-zapatistische Aufstand

4.5.1.1 Die Auflösung des postrevolutionären Regimes in Mexiko

In den 1980er Jahren kam es in Mexiko zu einer zunehmenden Erosion des postrevolutionären Regimes. Spätestens als Mexiko im August 1982 seine Zahlungsunfähigkeit erklärte, war das Zusammenspiel von binnenorientiertem Wachstum mit korporativistischen und staatsnahen Massenorganisationen ins Wanken geraten. Die darauffolgende Wirtschaftskrise entzog nicht nur dem post-revolutionären Modell die Grundlage, sondern destabilisierte auch die Herrschaft der Staatspartei Partido Revolucionario Institucional (=PRI).

Die beginnenden neoliberalen Strukturanpassungen verschärften die sozialen Gegensätze und erzeugten im korporativistischen Block von Gewerkschaften, PRI und Massenorganisationen tiefe Risse.

Dass sich der Staat in der Folge des Erdbebens 1985 in Mexiko City als unfähig zur Hilfeleistung an die Betroffenen erwies, verstärkte die Entfremdung der unterprivilegierten Klassen vom PRI-Regime. Während es bereits 1980 zur Gründung der Coordinadora de Movimientos Urbanos Populares (=CONAMUP) in Monterrey gekommen war, beschleunigte die Erfahrung des Erdbebens die Herausbildung autonomer Stadtteilbewegungen. Darüber hinaus kam es nach dem Erdbeben im Jahre 1985 zu einer neuerlichen Organisation der Studentenschaft im Consejo Estudiantil Universitario (=CU).

Mit Mexikos Beitritt zum General Agreement on Tariffs and Trade (=GATT) im Jahre 1986 öffneten sich die mexikanischen Grenzen für landwirtschaftliche Importe. Damit verschärfte sich die Marginalisierung der nicht-konkurrenzfähigen kleinen bäuerlichen Betriebe. Die Reform des Artikels 27 der Verfassung (der die Nationalisierung des Bodens festlegt) erhöhte den Druck auf das kommunale Ejido-Land. Diese kommunalen Ländereien verloren 1994 de jure ihren Veräußerungsschutz und konnten damit in den Sog der Landkonzentration hineingezogen werden.

Die zunehmenden Risse innerhalb der Staatspartei und der Massenorganisationen führten 1986 zu einer Abspaltung von der PRI um Cuauhtémoc Cárdenas (1985 Gründung der Frente Democrático Nacional [=FDN]). Cárdenas – Sohn des berühmten links-populistischen Präsidenten Lázaro Cárdenas (1934–1940) – trat als Kandidat des zwischen einigen Linksparteien sowie Dissidenten der PRI gebildeten Wahlbündnisses Partido de la Revolución Democrática (=PRD) bei den Präsidentschaftswahlen 1988 an. Nur durch massive Manipulationen bei der Stimmauszählung konnte sich der Kandidat der Staatspartei PRI Carlos Salinas de Gortari durchsetzen. Die fehlende Legitimität des Präsidenten führten auch die Neo-Zapatisten als eines der Motive für ihren Kampf ins Treffen.

Mit dem Beitritt zur Nordamerikanischen Freihandelszone (=NAFTA) am 1. Januar 1994 sollte der Status Mexikos als Wirtschaftswunderland, das auf dem Sprung in den Kreis der industrialisierten Zentrumsländer ist, besiegelt werden. Der Beginn des neo-zapatistischen Aufstandes in Chiapas am gleichen Tag entschleierte diesen illusorischen Modernisierungssprung.

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