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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika 1980–1985: Chile – Nikaragua – Neue Soziale Bewegungen
 up 4.4.5 Neue Soziale Bewegungen
 up 4.4.5.1 Ursachen für den Aufschwung der Neuen Sozialen Bewegungen

4.4.5.1.2 Ökonomische Faktoren

Auch die ökonomischen Veränderungen in den 1980er Jahren blieben nicht ohne Einfluss auf die sozialen Bewegungen. Die von manchen Militärdiktaturen bereits in den 1970er Jahren in die Wege geleitete und vom Auslandskapital getragene Industrialisierung führte zur Herausbildung eines neuen Proletariats. Dieses trat z. B. in Brasilien ab Ende der 1970er Jahre mit großer Militanz auf.

Die neoliberalen Strukturreformen führten in ganz Lateinamerika zu De-Industrialisierung, Privatisierungen und der Rücknahme sozialer Reformen. Dies schwächte die traditionellen Akteure der sozialen Bewegungen nachhaltig: Korporativistische, am Staat und seinen Unternehmen orientierte Gewerkschaften verloren Mitglieder und Durchsetzungskraft. Sie vermochten die großteils weiblichen Arbeitskräfte in neuen, in Freihandelszonen angesiedelten, Exportindustrien (Maquilas) nicht zu integrieren.

Die Heterogenisierung der Industrie (absteigende Binnenindustrien, aufsteigende Exportindustrien) und der Sozialstruktur im Zuge der neoliberalen Reformen zeitigte widersprüchliche Wirkungen auf die sozialen Bewegungen: Das Ansteigen des informellen Sektors und der Wegfall von Sozialleistungen ließ die Familie wieder zur zentralen ökonomischen und solidarischen Einheit werden. Die soziale Organisierung über familiäre Zusammenhänge hinaus verlief zunehmend entlang der Wohnviertel und nicht mehr der Arbeitsplätze (Stadtteilbewegungen). In manchen Ländern führte die De-Industrialisierung zur Rückkehr der Menschen in agrarische Zusammenhänge (z. B. Ekuador, Bolivien). Die Proletarisierungserfahrungen veränderten jedoch die Organisations- und Kampfformen von Campesino- und Indígena-Bewegungen grundlegend und förderten deren allgemeine Radikalisierung ab den 1990er Jahren. Stellvertretend dafür stehen z. B.: die Confederación de Nacionalidades Indígenas del Ecuador [=CONAIE] in Ekuador, die Movimiento dos Trabalhadores Rurais sem Terra [=MST] in Brasilien oder die Coca-Bauern in Bolivien.

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