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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika 1980–1985: Chile – Nikaragua – Neue Soziale Bewegungen
 up 4.4.5 Neue Soziale Bewegungen
 up 4.4.5.1 Ursachen für den Aufschwung der Neuen Sozialen Bewegungen

4.4.5.1.1 Politische Faktoren

Einen politischen Faktor stellte die Herausforderung durch die Kubanische Revolution dar. Als Gegenstrategie erfuhren dezentralere, reformorientierte und nicht nach Klassenvorstellungen strukturierte Bewegungen ab den 1960er Jahren eine gewisse Förderung. Das geschah sowohl durch die Organisierung von Landlosen und städtischen Armen (z. B. in Chile durch die Christdemokraten um Eduardo Frei) als auch durch basisorientierte Reformbemühungen der katholische Kirche (Bischofskonferenz Medellín 1968), welche der so genannten Kirche der Armen und der Theologie der Befreiung Spielräume eröffneten.

Großen Einfluss auf das Gefüge der sozialen Bewegungen übten die Militärdiktaturen aus. Nach der Zerschlagung aller bisher bestehenden Organisationen und Führungsstrukturen (Gewerkschaften, Parteien etc.) etablierten sich in den Nischen dieser Regime neue Varianten der politischen und sozialen Organisation. Frauenbewegungen (z. B. Selbsthilfe und Unterstützungsnetze in Chile), Menschrechtsgruppierungen und Zusammenschlüsse der Angehörigen von Verschwundenen (z. B. die Madres de Plaza de Mayo oder die Abuelas de Plaza de Mayo in Argentinien) scharten das Oppositionspotenzial um sich. Darüber hinaus boten die katholischen Basisinitiativen in manchen Ländern (z. B. in Brasilien) ein politisches Betätigungsfeld während der Militärdiktatur.

Von Bedeutung für die Entwicklung der sozialen Bewegungen war ferner die fortschreitende Demokratisierung der politischen Systeme in Lateinamerika ab den 1980er Jahren. In manchen Ländern ließ die Demokratisierung die während der Diktaturen entstandenen Bewegungen wieder in den Hintergrund treten (z. B. Chile ), in manchen etablierten sich die neuen sozialen Bewegungen als maßgebliche Akteure des zivilen Regimes (z. B. in Brasilien die Gewerkschaft Central Unica dos Trabalhadores [=CUT]).

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