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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika 1980–1985: Chile – Nikaragua – Neue Soziale Bewegungen
 up 4.4.3 Die Sandinistische Revolution in Nikaragua
 up 4.4.3.4 Die sandinistische Regierungszeit

4.4.3.4.2 Innenpolitik

Politisch und institutionell stützten die Sandinisten ihre Macht einerseits auf die sandinistische Armee, andererseits auf die mobilisierten Massen. Die Integrierung der unterprivilegierten Schichten sollte durch den Aufbau von Massenorganisationen erfolgen: Dazu gehörten der Sandinistische Gewerkschaftsdachverband Central Sandinista de Trabajadores (=CST), ländliche Genossenschaften und Gewerkschaften, die Frauenorganisation Luisa Amanda Espinosa sowie die Comités de Defensa Sandinista (=CDS). Diese waren, wie ihr kubanisches Vorbild, entlang der Stadtteile strukturiert und sollten politische Mobilisierung, Mitbestimmung und Selbsthilfe organisieren.

Im politischen Diskurs spielte der Begriff Partizipation eine wichtige Rolle. Die den Sandinismus tragenden unterprivilegierten Klassen sollten am politischen Entscheidungsprozess tatsächlich teilhaben und sich in Gemeinde- und Stadtteilversammlungen einbringen können. Darüber hinaus sollte den verschiedenen sozialen Bewegungen und ihren Organisationen Gehör geschenkt werden. Trotz des Anspruchs auf Umsetzung einer partizipativen Demokratie behielt die sandinistische Führung in allen Belangen das entscheidende Gewicht. Die Teilhabe der Massen an den gesamtstaatlichen politischen Entscheidungen ging kaum über plebiszitäre Mechanismen hinaus.

Das Erbe der eigenständigen Mobilisierungen der unteren Klassen in der Sandinistischen Revolution konnte jedoch nicht völlig integriert und gebändigt werden. In den Städten ließen sich Teile der Gewerkschaften und der Arbeiterschaft nicht in die sandinistische CST eingliedern. Sie forderten die Regierung durch zahlreiche "wilde" Streiks heraus.

Der Versuch, die indianischen Miskitos in den peripheren Atlantikregionen Nikaraguas in das sandinistische Modernisierungsprojekt zu integrieren, führte zu heftigen Auseinandersetzungen. Die Miskito-Indianer sahen diesen Integrationsversuch als von außen kommenden Einschnitt in ihre halb-autonome Sozialstruktur an. Ein Teil der Contra-Kämpfer konnte sich aus diesen Miskito-Indianern rekrutieren.

Trotz des Contra-Krieges und trotz des Bruches zwischen bürgerlicher Opposition und Sandinisten blieb Nikaragua während der 1980er Jahre pluralistisch. Die bürgerliche Opposition boykottierte regelmäßig Wahlen und den Staatsrat, um den Sandinisten die Legitimität zu entziehen.

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