Nach der Etablierung der Militärdiktatur unter Augusto Pinochet brachen in Lateinamerika im Allgemeinen und unter den (exilierten) chilenischen Aktivisten und Aktivistinnen im Besonderen heftige Diskussionen über die Gründe des Scheiterns aus. Die entscheidende Frage: Wie wäre die Machtübernahme Pinochets zu verhindern gewesen? Die Antworten auf diese Frage verliehen den ab 1972 entstandenen Meinungsunterschieden innerhalb der Unidad Popular und der Partido Socialista neuen Ausdruck:
Deklarierte Gegner Salvador Allendes führten ins Treffen, dass nur ein Rücktritt des gewählten Präsidenten die Machtübernahme der Militärs verhindern hätte können.
Die gemäßigten Kräfte innerhalb der Unidad Popular argumentierten, nur ein Kompromiss mit den Christdemokraten von der Partido Democrático Cristiano (=PDC), eine Mäßigung des politischen Handelns und die Einschränkung der sozialen Bewegungen (besonders der radikalen Linken) hätten den Putsch verhindern können. Darüber hinaus hätte Allende am Höhepunkt seiner Unterstützung im April 1971 ein Plebiszit abhalten sollen, um seinen Maßnahmen eine zusätzliche konstitutionelle Legitimation zu geben.
Zu den Kräften, die diese Argumentation vorbrachten, gehörte auch die Kommunistische Partei.
Die radikalen und revolutionären Kräfte sahen den Grund für das Scheitern im Festhalten Allendes am parlamentarischen und friedlichen Weg zum Sozialismus. Sie führten ins Treffen, dass eine gesellschaftliche Transformation nur mit dem Bruch und der Zerschlagung des feindlich gesinnten Staatsapparates hätte vollzogen werden können. Das galt vor allem für das Militär. Allende hätte sich auf die sozialen Bewegungen stützen und seine Regierung durch die Volksbewaffnung schützen sollen. Damit hätte er das Gesetz des Handelns und die Initiative in der Hand behalten und so die unentschlossenen Mittelschichten auf seine Seite ziehen können. Die wirtschaftlichen Krisenerscheinungen seien zudem eine Folge der Vergesellschaftung auf halbem Wege gewesen. Ein schnelles Voranschreiten bei der ökonomischen Transformation hätte diese behoben.
Im Sinne Rosa Luxemburgs lässt sich die gemäßigte Auffassung dem Blickwinkel "durch die Mehrheit zur revolutionären Taktik" zuordnen. Die radikale Interpretation verpflichtete sich hingegen dem Motto "durch die revolutionäre Taktik zur Mehrheit." (Luxemburg, Rosa: Die russische Revolution. In: Luxemburg, Rosa (1968): Politische Schriften. Band 3. Europäische Verlagsanstalt/Europaverlag: Frankfurt a. Main/Wien: 115) |