Nach den gescheiterten Destabilisierungsversuchen und den ersten Sozialreformen genoss die Unidad-Popular-Regierung eine enorme Unterstützung. Die gesellschaftliche Stimmung war von Aufbruch und Enthusiasmus geprägt, die bürgerliche Opposition befand sich in der Defensive. Nach den Worten Allendes sollte es eine revolución en vino tinto y empanadas geben, eine Gesellschaftsveränderung im Bilde eines fröhlichen chilenischen Festessens.
Die umfangreichen Sozialmaßnahmen (Pensionserhöhung, Einkommenserhöhungen, Steuererhöhung für Reiche, Schulmilch) bewirkten eine Umverteilung und führten zu einem kleinen Nachfrage-Boom. Darüber hinaus erfolgte die völlige Verstaatlichung des Kupfers und anderer zentraler Unternehmen und Banken. Die von Frei begonnene Agrarreform wurde beschleunigt. Allende legte den Schwerpunkt hierbei jedoch auf die Bildung staatlicher Landwirtschaftsbetriebe.
Die Unterstützung für Allende manifestierte sich in der absoluten Mehrheit für die Unidad Popular bei den Kommunalwahlen im April 1971.
Die Geschwindigkeit der Reformvorhaben entsprach der Radikalisierung und Mobilisierung der sozialen Bewegungen. Sie stellten das treibende Moment in der rasanten Entwicklung dar. Die gesamtgesellschaftliche Lage steigerte sich zusehends zu einer revolutionären Situation. Es kam zu ausgedehnten Landbesetzungen und zu spontanen Fabriksübernahmen durch Arbeiter. Allende befand sich bereits zu diesem Zeitpunkt in der Zwickmühle zwischen den von ihm anvisierten radikalen Reformen, die formal legal abgewickelt werden sollten, und der revolutionären Dynamik der Bewegungen, die ihre Maßnahmen nicht-legal setzten.
Auf der für Allende so bedeutenden legistischen Ebene kam es jedoch zu spürbarem Widerstand. Allende musste gegen die bürgerliche Kongressmehrheit agieren. Diese bürgerliche Kongressmehrheit blockierte den Großteil der Gesetzesvorlagen Allendes. Nur mit juristischen Tricks gelang die Umsetzung einer Reihe von Maßnahmen. |