Die sozialen Errungenschaften, insbesondere das kostenlose Gesundheitswesen, wurden auch nach Beginn der Krise ab 1989 offiziell nicht in Frage gestellt. Es wurden kaum Einschnitte im kostenlosen Gesundheitssystem vorgenommen. So wurde kein einziges Krankenhaus seit Beginn der Krise geschlossen und kein Arzt entlassen. Infrastrukturell und personell wurde die medizinische Versorgung gewährleistet.
Allerdings ist die Verschlechterung der Qualität der medizinischen Versorgung beträchtlich. Dies wurde vor allem durch das Fehlen von Medikamenten, medizinischen Utensilien und Geräten und durch den Mangel an Mitteln für die Hygiene verursacht. So wurde von der Regierung schon 1992 bestätigt, dass auf Kuba 229 der 1303 üblicherweise verwendeten medizinischen Präparate fehlten. Seit 1994 mussten auch Medikamente, die in der medizinischen Grundversorgung zum Einsatz gelangen, rationiert werden. Das einst privilegierte medizinische Personal versucht angesichts der schwierigen Arbeitsbedingungen und der schlechten Bezahlung auf andere Bereiche auszuweichen. Negativ auf die Gesundheit der kubanischen Bevölkerung wirken sich auch die fehlenden Nahrungsmittel, die schlechten Wohnverhältnisse und die Probleme mit der Abwasserbeseitigung aus, wodurch Virus- und Durchfall-Erkrankungen zugenommen haben. Als der schlimmste Fall gilt hierbei die 1992 aufgetretene Epidemie von infektiösen Augenerkrankungen (Augenneuropathie). Auch die Zahl der Fälle von Amöbenruhr und Typhus hat sich vervielfacht.
Unter den einst privilegierten Ärzten herrscht große Unzufriedenheit. Durch Berufswechsel und Abwanderung vieler junger Ärzte und Krankenschwestern werden die Pflege- und Hygienebedingungen in den Krankenhäusern und Polikliniken immer schlechter.
Ob die sozialen Errungenschaften der Kubanischen Revolution in Zukunft beibehalten werden können, wird vom wirtschaftlichen Spielraum Kubas abhängen. Gewiss ist, dass mit einer zunehmenden Kommerzialisierung der Gesellschaft auch die Ungleichheiten bei der Gesundheitsversorgung wieder wachsen werden. |