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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.3 Die Kubanische Revolution 1959
 up 4.3.5 Kuba 1959–1961: Polarisierung und Gesellschaftstransformation

4.3.5.1 Innenpoitik

a.) Fidel Castro und die Guerilleros

Fidel Castro war kein Teil des etablierten populistischen Spektrums. Er verfügte insoweit über eine gefestigte Ideologie, als dass er sein Programm umzusetzen fest entschlossen war. Fidel Castro gebot jedoch nicht über eine organisierte soziale Basis. Dem Druck sozialer Bewegungen war er offen ausgesetzt. Die neue aus der Guerilla entstandene revolutionäre Elite konnte jedoch das Rückgrat jedes Staates – den Sicherheitsapparat – unter ihre Kontrolle bringen. Damit hielten sie einen zentralen Trumpf der Macht in ihren Händen.

b.) soziale Bewegungen

Das treibende Moment der kubanischen Entwicklung waren sicherlich die sozialen Bewegungen. Seit Beginn des Jahres 1959 hatten sich wichtige Teile der kubanischen Bevölkerung mobilisiert, vor allem das städtische Proletariat und das Landproletariat der Zuckerindustrie. Beide Gruppen griffen ihre radikalen Traditionen aus der Revolution von 1933 wieder auf. Die Hoffnungen auf eine umfassende Verbesserung der ökonomischen Lage konzentrierten sich auf das neue Regime. Die zwei Jahre zwischen 1959 und 1961 waren von allgemeiner sozialer Unrast geprägt: Streiks, Fabriks- und Landbesetzungen, Massenbewaffnung und Massendemonstrationen. Im Algemeinen unterstanden die sozialen Bewegungen jedoch nicht der Kontrolle der Guerilleros. Auch die Führer der Gewerkschaften hatten ihren Einfluss auf die Arbeiterbewegung eingebüßt. Ihre Zusammenarbeit mit dem gestürzten Regime hatte sie völlig diskreditiert.

c.) USA/kubanisches Bürgertum

Nach anfänglich wohlwollender Unterstützung für die neue Regierung gingen die USA spätestens mit der (gemäßigten) Agrarreform vom Mai 1960 zu einer anderen Politik über. Der Widerstand und der Druck der USA erhöhten sich zusehends. Das bürgerliche Spektrum Kubas schien hingegen wie gelähmt. Es vermochte keine Strategie gegen die Dynamik der Situation zu entwickeln und wurde schrittweise marginalisiert.

Binnen kürzester Zeit vollzog die Regierung Castro eine Reihe von Sozialreformen. Dazu gehörten Mietzinssenkungen und Lohnerhöhungen. Den von zyklischer Arbeitslosigkeit (acht Monate im Jahr) betroffenen Zuckerrohrarbeitern wurde eine ganzjährige Beschäftigung in Aussicht gestellt – eine kolossale Verbesserung für ein Drittel der Beschäftigten.

Im Mai1959 erfolgte die erste (gemäßigte) Landreform. Landbesitz wurde auf ein Maximum von 400 Hektar beschränkt, Entschädigungen wurden bezahlt, Landbesitz von Ausländern jedoch verboten. 100.000 Kleinbauern erhielten je 27 Hektar Land. Die großen Zuckerrohr- und Viehzuchtländereien wurden jedoch nicht verteilt, sondern in Kooperativen überführt. Dies deutet auf einen hohen Proletarisierungsgrad unter der Landbevölkerung und einen geringen Hunger nach Land hin. Zentrales Instrument der Politik wurde das Instituto Nacional de Reforma Agraria (=INRA), das sich zu einem Hebel der allgemeinen Verstaatlichungspolitik entwickelte. Ab Mitte des Jahres 1959 nahmen die Verstaatlichungen (oft unter dem Druck der Arbeiter) stetig zu.

Das Tempo der Sozialreformen führte zu einer Polarisierung innerhalb der Koalitionsregierung. Bis Ende 1959 waren schließlich alle bürgerlich-liberalen Minister aus ihr verdrängt.

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