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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.3 Die Kubanische Revolution 1959
 up 4.3.1 Kuba – von der Kolonie zur Halbkolonie

4.3.1.1 Kuba: Elendshöhle oder Prosperität?

Der Ausbruch der Kubanischen Revolution war für viele damalige Beobachter durchaus überraschend gekommen. Oberflächlich gesehen, zeigte Kuba zur Zeit der Kubanischen Revolution ökonomisch und sozial-strukturell nicht das Bild einer unterentwickelten oder verelendeten Gesellschaft. Im Gegenteil, Kuba gehörte 1959 zu den entwickelsten Ländern Lateinamerikas (4. Platz beim Pro-Kopf-Einkommen, hoher Grad an Proletarisierung, relativ hohe Alphabetenrate, über 50% Verstädterung). Dies war jedoch nur die eine Seite der kombinierten und ungleichzeitigen Situation in Kuba.

Auf der anderen Seite prägte die ungleiche Verteilung von Einkommen und Besitz das Bild. Hinzu kam die infrastrukturelle Unterversorgung großer Teile der Bevölkerung, vor allem der Landbevölkerung.

Darüber hinaus wog die strukturelle Deformation vor allem in Krisenzeiten schwer. Die kubanische Ökonomie war eine Ein-Frucht-Wirtschaft: Die Dominanz des Zuckers bedingte eine starke Weltmarkt-Abhängigkeit (85% der Exporteinnahmen in den 1950ern). Darüber hinaus produzierte der Zucker eine jährlich wiederkehrende zyklische Arbeitslosigkeit – die 600.000 meist landlosen Zuckerarbeiter, die ein Drittel der Beschäftigten in Kuba ausmachten, waren während acht Monate im Jahr arbeitslos. Kuba verfügte somit über ein riesiges Landproletariat, das in den sozialen Bewegungen eine tragende Rolle spielte.

Zur strukturellen Deformation gehörte ferner die Dominanz von US-Kapital in der Zuckerindustrie, im Transport, in der Telekommunikation und im Bergbau. Während der Anteil von US-Kapital in der Zuckerindustrie ab den 1950er Jahren im Abnehmen begriffen war, erreichte er in den anderen genannten Bereichen im Jahre 1959 bis zu 90%. Der in der Dependenztheorie argumentierte surplus-Transfer war in Kuba eine ökonomisch bestimmende Größe.

Darüber hinaus fungierte Kuba als Urlaubsparadies für US-Amerikaner – inklusive einer ausgedehnten Glücksspiel- und Sextourismusindustrie, die vornehmlich von nicht-legalen US-amerikanischen und kubanischen Großunternehmen betrieben wurde (Mafia).

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