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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 3 Die Weltwirtschaftskrise "1929" in Lateinamerika und die Herausbildung des Populismus
 up 3.2 Die Weltwirtschaftskrise in Lateinamerika
 up 3.2.3 Politische Krisenfolgen – Herausbildung des Populismus
 up 3.2.3.3 Populistische Regime in Mexiko, Zentralamerika und der Karibik

3.2.3.3.1 Lázaro Cárdenas in Mexiko (1934–1940)

Der mexikanische Staatspräsident Lázaro Cárdenas führte während seiner Amtszeit von 1934 bis 1940 eine Agrar- sowie verschiedene Sozialreformen durch. Die Agrarreform unter Cárdenas kann (neben der kubanischen nach 1959 und der bolivianischen nach 1952) als eine der wenigen substantiellen Agrarreformen in der Geschichte Lateinamerikas betrachtet werden. Sie stellte kommunales Land unter gesetzlichen Schutz. Dabei wurden beinahe 18 Millionen Hektar neu verteilt – das entspricht der doppelten Größe Österreichs. Durch diese Landreform war der (in Lateinamerika typischen) Dynamik von Landaneignung und Landkonzentration bis Anfang der 1990er Jahre ein beträchtliches Hindernis in den Weg gelegt.

Unter Lázaro Cárdenas erfolgte 1938 auch die Verstaatlichung des Erdölsektors – damit war die materielle Grundlage für die Umsetzung einer importsubstituierenden Industrialisierungsstrategie geschaffen.

Lázaro Cárdenas war der "linkeste" der im Zuge der Weltwirtschaftskrise an die Macht gekommenen Populisten. Dies spiegelte sich sowohl im sozialistischen Diskurs Cárdenas als auch in der Außen- und Einwanderungspolitik wider: Mexiko war neben der Sowjetunion das einzige Land, welches das republikanische Spanien unterstützte. Exilanten und Flüchtlinge fanden in Mexiko Zuflucht. Der berühmteste dieser transterrados war der russische Revolutionär Leo Trotzki.

Cárdenas politische Überzeugungen flossen auch in die Bildungs- und Kulturpolitik ein: José Vasconcelos, seit langem als Bildungsminister im Amt, erhielt von Cárdenas während zwei Jahren spektakuläre 50% des Staatsbudgets für sein Ressort. Die Förderung von Kunst und Architektur machte Mexiko zu einem außereuropäischen Zentrum der Avantgarde – Diego Rivera, Frida Kahlo und andere stehen symbolisch dafür.

Darüber hinaus kam es unter Lázaro Cárdenas zu einer verstärkten Rückbesinnung auf die prä-kolumbische Vergangenheit des Landes. Diese Rückbesinnung – auch indigenismo – verwendete man auch zur Formulierung jener identitätsstiftenden Ideologie, die Mexiko als Mestizen-Nation definierte.

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