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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 3 Die Weltwirtschaftskrise "1929" in Lateinamerika und die Herausbildung des Populismus
 up 3.1 Die Weltwirtschaftskrise
 up 3.1.2 Die Ursachen der Weltwirtschaftskrise

3.1.2.2 Zusammenbruch des Welthandels

Einerseits kam es zu Importrestriktionen und Zollerhöhungen vor allem auf Seiten der Abnehmer in den Zentren des Weltsystems. Dies war besonders für Lateinamerika von Bedeutung, das im Jahrhundert davor als Primärgüterexporteur in den Weltmarkt eingebunden worden war. Typische Cash-Crops wie Kaffee fanden keine Abnehmer mehr. Viele Länder versuchten durch Exportförderung und kompetitive Währungsabwertung den Einbrüchen im Export entgegenzuwirken. Da jedoch von fast allen Ländern solche Maßnahmen ergriffen wurden, führte dies nur zu einer allgemeinen Abwärtsspirale im Welthandel.

In Summe traf der Zusammenbruch des Handels jedoch die Peripherie stärker als die Länder des Zentrums. So ging in den vorwiegend primärgüterproduzierenden Ländern der Wert der Exporterlöse um über die Hälfte zurück. Dabei hatte sich das Produktionsvolumen kaum reduziert.

Der Einbruch der Preise wurde auf das Industrie- und Landproletariat abgewälzt. Dies heizte Streik- und Protestbewegungen an. In manchen Ländern blieb man auf den Cash-Crops sitzen (z. B. Vernichtung großer Teile der Kaffeeernte in Brasilien). Der Zusammenbruch des Welthandels kam v. a. in Ländern, die vom Export von Cash-Crops abhängig waren, einem knock-out aus dem Weltsystem gleich.

Die Tatsache, dass Produkte und Leistungen aus der Peripherie immer schlechtere Preise erzielten, führte zu einer teilweisen Dissoziation vom Weltmarkt. Dies bereitete den Boden für ein neues Wirtschaftsmodell: die auf Industrialisierung ausgerichtete Importsubstitutionspolitik. Später, in den 1960er Jahren, bildete die Idee einer vollkommenen Dissoziation vom Weltmarkt einen wichtigen Bestandteil der entwicklungspolitischen Diskussionen (z. B. in der Dependenztheorie). Obwohl heute die Dissoziation als gangbare Alternative aus den Debatten verschwunden ist, hat die importsubstituierende Industrialisierungspolitik in Lateinamerika bleibende Spuren hinterlassen. So wird ein großer Teil der Investitionsgüter (Maschinen etc.) heute nicht importiert, sondern in Lizenz in Lateinamerika selbst hergestellt.

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