Von Sklaven produzierter Kaffee half in Europa Disziplin und Schichtarbeitszeiten einzuführen. Kaffee und Zucker stellten ernährungsgeschichtlich gesprochen die zentralen Begleiter der Industrialisierung dar. Die kapitalistische Industrie ist von Arbeitsdruck, Zeitdisziplin und Hektik geprägt. Die kurzen Erholungspausen erforderten schnell konsumierbare Energiespender und Wachhalter. Die in der bäuerlichen Welt gebräuchlichen Getränke konnten diese Rolle nicht mehr spielen. Entweder verfügten sie über einen Alkoholgehalt (Bier) oder fanden aus Kosten- und Konservierungsgründen nicht mehr den Weg in die Fabrik (Milch). Diese Getränke waren zugleich Nahrungsmittel. In den neuen Industrien half man sich hingegen mit Genussmitteln. Zucker konnte die schnelle Energie liefern, Kaffee vermochte die für die Arbeit an den Maschinen notwendige Wachsamkeit zu erhöhen. |