Gemäß dem Vertrag von Tordesillas von 1494 verblieb England ohne Gebietsansprüche auf das Territorium des späteren Lateinamerika.
Die Kolonialisierung Nord-Amerikas verfügte hingegen über eine ganz spezifische (für das Mutterland ungünstige) Stoßrichtung; es handelte sich um eine Kolonisierungsbewegung politisch-religiöser Dissidenten.
Als Alternative bot sich ein etwas anderes koloniales Betätigungsfeld an: die staatlich organisierte und unterstützte Piraterie bzw. das Führen von Seekriegen in der Karibik. 1627 besiedelten die Briten Barbados, 1655 eroberten sie Jamaika.
Dies wirft ein Licht auf die Substanz jener Vorstellung, wonach die freie, marktvermittelte Konkurrenz die Grundlage jeder kapitalistischen Prosperität darstelle. Das englische Beispiel zeigt, dass dieser Prosperität durch staatliche und außerökonomische Maßnahmen (Gewalt, Eroberung, Monopole etc.) das Fundament gelegt wurde. Die Forderung nach Freihandel und freier Konkurrenz, die ab dem 18. Jahrhundert vor allem in England formuliert wurde, spiegelte eine Position der Stärke wider. Und diese Position war durch eine nicht-freihändlerische Vorgeschichte erreicht worden. In diesem Sinne lässt sich (bis heute) die Forderung nach Freihandel als Wunsch der stärkeren Akteure nach freiem Handel mit bzw. gegen die schwächeren Akteure interpretieren.
Die etablierten karibischen Basen der britischen Zuckerversorgung wurden politisch und ökonomisch als Teil des Empire gedacht. Der Handel war monopolisiert, die Produktion auf den Inseln wurde auf ein einziges Produkt (Zucker) reduziert. |