Bereits auf seiner zweiten Reise (1493) brachte Kolumbus Zuckerrohr nach Santo Domingo. Von Beginn an handelte es sich beim Aufbau der Zuckerproduktion um den Transfer einer kompletten Organisationsstruktur (Anbau, Verarbeitung, Arbeitsverhältnisse). Neben der Pflanze und dem Wissen wurden auch die Arbeitskräfte importiert. Dies brachte bereits ab 1503 den Einsatz afrikanischer Sklaven auf Plantagen mit sich. Träger des Technologie-Imports waren kanarische Lehrmeister, welche die Mühlentechnologie (mit zwei vertikalen Walzen) mitbrachten. Ungefähr ab 1516 lief der Zucker-Export nach Europa an. Obwohl die Produktion damit von Beginn an exportorientiert war, gehorchte der Handel dem zentralistisch-bürokratischen Muster der spanischen Kolonialisierung: alle Waren wurden zunächst Richtung Mutterland verschifft, um erst dann auf den damaligen Weltmarkt gebracht zu werden.
Der spezifische Charakter der spanischen Kolonialisierung erwies sich für die Zuckerproduktion jedoch als Hindernis: Die kapitalintensive Ausweitung der Pflanzer-Aktivitäten wurde von der spanischen Krone nicht gefördert. Es fehlte an Krediten.
Folgende Faktoren bewirkten, dass sich eine eigenständige Pflanzerschicht nicht ausbilden konnte:
- Der chronische Mangel an Investitionskapital.
- Der Bevölkerungsmangel bzw. der Mangel an Arbeitskräften, der durch den zwangsweisen Import von Menschen vorerst nicht hinreichend ausgeglichen werden konnte.
Die der spanischen Kolonisation zu Grunde liegenden gesellschaftlich-ideologischen Motive der Kolonisten. Das Verlangen nach Ehre, Ruhm und schnellem Glücksritter-Reichtum paarte sich mit einer feudalen Kultur des deshonor del trabajo (Geringschätzung der Arbeit). Die Kolonisten entsprachen somit nicht dem Bild des modernen unternehmerischen homo oeconomicus, der im kapitalistischen Weltsystem zu Geld und Reichtum gelangt. |