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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 1 Las Americas im Vergleich – das "lange" 19. Jahrhundert
 up 1.1 Ein Vergleich zwischen den Americas – Kolonisation und Siedlungspolitik

1.1.1 Kolonisation

Lateinamerika

Die 1492 mit Kolumbus in der Karibik einsetzende Kolonisation Lateinamerikas war ein zentralistisches Staatsunternehmen. Eine tragende Rolle bei dieser Unternehmung der spanischen Krone spielte die katholische Kirche. Dies spiegelt sich auch in der so genannten Vasallendiskussion wider. Die Frage dabei lautete: Sind die Indios Vasallen des Königs und zu missionierende Seelen? Der Mönch Bartolomé de las Casas antwortete mit "Ja" auf diese Frage und setzte sich mit dieser Sichtweise durch. Die Folgen: Der Kirche wurden das Seelenheil der Indios anvertraut, der Krone fielen sie als direkte Untertanen zu. Mit Gesetzen wie den "leyes de indias" wurde dieses Verhältnis in eine juristische Form gegossen. Damit erhielten die Indígenas auch einen gewissen "Schutz", der Sand in die Logik der Gewinnmaximierung durch schrankenlose Ausbeutung warf. Der Logik der Gewinnmaximierung wurde daraufhin in manchen Gebieten durch die Zwangsverschleppung von afrikanischen Sklaven Rechnung getragen.

Das Kolonialregime war gekennzeichnet durch den Machtmechanismus "Krone und Kirche" sowie durch ein großes bürokratisches System, das in vielerlei Hinsicht kapitalismusbehindernd wirkte. Allein das Handelsmonopol der Krone hatte zur Folge, dass alle Waren zuerst nach Spanien verbracht werden mussten, um erst dann auf dem Weltmarkt gehandelt werden zu können.

Als Formel für das spanische Kolonialamerika könnte gelten: Staat + Kirche -> Bürokratie

Nordamerika

Als 1607 die Pilgrims in Jamestown landeten, handelte es sich um eine Flucht religiöser Dissidenten. Diese gehörten in ihrem Ursprungsland England zu den sozialen Trägern einer kapitalistischen Entwicklung. Zu Beginn war der Austausch mit der indigenen Bevölkerung durchaus essentiell für die Überlebenssicherung der Siedler.

Doch das Motiv der Siedler der indigenen Bevölkerung gegenüber war weder die Unterwerfung als Untertanen noch die ökonomische Ausbeutung. Sie verfolgten das Ziel, das Land als Kleinbauern nutzbar zu machen. Die Ideal-Biographie eines Siedlers unterlag einem anderen Muster als die eines spanischen Conquistadors: Während Letztere mit Ruhm, Ehre und Reichtum als Rentiers zurückkehren wollten, mussten die Siedler bleiben und wollten ihr Land nach dem Prinzip freien Eigentums bebauen. Dieser Eigentumsbegriff setzte die Verdrängung der indigenen Bevölkerung von ihrem Land voraus.

Als Formel für die Siedlerkolonien Nordamerikas könnte gelten: Dissidenz + Ideologie -> Separatismus

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