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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 2.1 Zucker und Freihandel
 up 2.1.1 Zucker – Klassifizierung der Pflanze, natürliche Eigenschaften, Anbau und Verarbeitung

2.1.1.1 Die Verarbeitung von Zuckerrohr

Zuckerrohr ist nicht nur wegen der Bewässerung und der Anbaumethoden sehr arbeitsaufwändig. Auch Ernte und Verarbeitung benötigen eine durchgeplante und arbeitsteilige Organisation. Anbau und Verarbeitung des Zuckerrohrs sind untrennbar miteinander verbunden, da das geerntete Produkt schnell verdirbt.

Zuckermühle in der Dominkanischen Republik

"Bei der Ernte werden heute Rohrschneidemaschinen mit gewissem Erfolg eingesetzt, das meiste Zuckerrohr wird jedoch noch immer mit der Hand geschnitten. Das häufigste dabei verwendete Werkzeug ist eine große, etwa 50 Zentimeter lange und 13 Zentimeter breite Stahlklinge, die einen kleinen Haken auf der Rückseite aufweist und an einem Holzgriff befestigt ist (in Lateinamerika als machete bekannt).

Zuckerrohr wird dicht über dem Erdboden abgeschnitten. Die Blätter werden mit dem Haken abgestreift und der Stängel kurz oberhalb des letzten reifen Sprossgliedes abgeschnitten. Das geschnittene Rohr wird in Reihen aufgeschichtet, bis man es mit der Hand oder mit Maschinen aufsammelt, bindet und auf Karren oder Lastwagen zur Zuckerfabrik fährt. Dort wird der Zucker aus dem Rohr gemahlen.

Zuckersiedehaus im 19. Jahrhundert

In der Zuckerfabrik befreien die (Sklaven-)Arbeiter die Stängel von den Blättern und zerkleinern bzw. zerquetschen die Stängel zwischen Höckerwalzen. Danach wird in einer Mühle eine Entsaftung unter Beigabe von heißem Wasser durchgeführt. In der Folge erhält man zwei Produkte: den Zuckersaft sowie die Begasse, das nach der Extraktion zurückbleibende feste Material. Dieses findet als Brennstoff Verwendung.

Der Zuckersaft wird im zweiten Verarbeitungsschritt mit Kalkmilch gemischt und zum Sieden gebracht. Die organischen Säuren des Zuckersafts verbinden sich mit dem Kalk und können danach herausgefiltert werden.

Der Saft wird mit Schwefeldioxid gebleicht, durch Filterpressen geleitet und in einer sich mehrfach wiederholenden Prozedur verdampft. Schließlich trennt eine Zentrifuge zwei Produkte voneinander: den Rohzucker, der in der Raffination weiterverarbeitet wird und die Melasse, aus der Rum destilliert werden kann.

Der Rohzucker wird erneut gelöst, entfärbt und wieder kristalliert. Die Größe der Kristalle variiert von Staubzucker bis Hagelzucker."

("Zucker." Microsoft® Encarta® Enzyklopädie 2001. © 1993–2000 Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.)

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