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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.5 Soziale Bewegungen in Lateinamerika: 1990–2002
 up 4.5.1 Mexiko und der neo-zapatistische Aufstand

4.5.1.4 Verlauf der Auseinandersetzung in Chiapas

Subcommandante Marcos

Nach dem Beginn des Aufstandes in Chiapas am 1. Januar 1994 und seinen spektakulären Erfolgen, kamen die bewaffneten Auseinandersetzungen schnell zum Erliegen. Eine spontane Solidaritätsbewegung in den mexikanischen Metropolen und die internationale Aufmerksamkeit stoppte das militärische Vorgehen der Regierung. Es kam zu Friedensverhandlungen.

Die Neo-Zapatisten machten sich mit ihrem Aufstand und ihrem politischen Diskurs innerhalb kürzester Zeit zum Referenz- und Hoffnungspunkt der sozialen Bewegungen in Mexiko und vielfach auch in den industrialisierten Ländern. Die aus dieser Unterstützung entstandene potenzielle Führungsrolle der Neo-Zapatisten in den sozialen Bewegungen lehnten diese jedoch ab. Ein Teil der Unterstützung ist dabei jedoch auch auf eben diese Ablehnung des Avantgarde-Anspruches, auf die Betonung von Partizipation und Demokratie und auf die Offenheit für verschiedene andere Gruppierungen zurückzuführen. In diesem Sinne kann man für die sozialen Bewegungen in Mexiko Mitte der 1990er Jahre von einer neo-zapatistischen Hegemonie ohne Hegemonialanspruch sprechen.

Neozapatistische KämpferInnen

Im August 1994 organisierten die Neo-Zapatisten die Convención Nacional Democrática (=CND) im lakandonischen Urwald. An ihr nahmen über 5.000 Aktivisten und Aktivistinnen teil, darunter zahlreiche internationale Gäste. Die Neo-Zapatisten orientierten sich in dieser Versammlung sowie in den zahlreichen Kommuniqués an der Zivilgesellschaft. Sie sollte der Träger der gesellschaftlichen Veränderung sein.

Die politisch-militärische Führung des Ejército Zapatista de Liberación Nacional (=EZLN), das Comité Clandestino Revolucionario Indígena – Comandancia General (=CCRI-CG) lehnte im Juni 1994, nach Abstimmung durch die Gemeinden, die Vorschläge der Regierung ab.

Im Jahre 1996 kam es zur Gründung einer landesweiten politischen Front des Neo-Zapatismus (Frente Zapatista de Liberación Nacional [=FZLN]).

Im Jahre 1997 erfolgte der Abbruch aller Verhandlungen. Seitdem sehen sich die Neo-Zapatisten mit einer Militarisierung des Südens Mexikos konfrontiert. In vielerlei Hinsicht kam es durch die Regierung zu einer Neuauflage der Strategie der low-intensity-warfare.

Der Marsch auf Mexiko City im März 2001 vermochte noch einmal die Aufmerksamkeit der mexikanischen Gesellschaft zu mobilisieren. Doch diese symbolischen und spektakulären Schritte können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Neo-Zapatisten zunehmend in die Defensive geraten sind. Die politische Front der Neo-Zapatisten, die FZLN, ist weit davon entfernt, eine Massenorganisation zu sein. Sie beschränkt sich weitgehend auf das studentische und akademische Milieu. Die Zivilgesellschaft als vermeintlicher Träger der Veränderung erwies sich als Illusion. Bündnisse mit den städtischen sozialen Bewegungen (Gewerkschaften, Parteien) kamen nicht zustande. Einer Ausweitung des Aufstandes stand schon die reformorientierte und gemäßigte Orientierung der Führungen der großen Akteure in den sozialen Bewegungen gegenüber. Das gilt vor allem für die größte Oppositionspartei, die Partido de la Revolución Democrática (=PRD).

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