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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika 1980–1985: Chile – Nikaragua – Neue Soziale Bewegungen

4.4.5 Neue Soziale Bewegungen

Die Geschichte der sozialen Bewegungen Lateinamerikas im 20. Jahrhundert lässt sich zu keinem Zeitpunkt auf die großen Revolutionen, auf korporativistische oder klassenkämpferische Gewerkschaften, auf populistische, stalinistische oder revolutionäre Parteien sowie auf Guerillabewegungen reduzieren. Es waren zum einen immer wieder unorganisierte, oft spontane Volksbewegungen, welche in gesellschaftlichen Radikalisierungsphasen und in den revolutionären Situationen den Rhythmus der Ereignisse vorgegeben hatten.

Zum anderen wurden In den 1980er Jahren auch "neue" Akteure in den sozialen Bewegungen sichtbar. Zu diesen Akteuren, die dem Typus der Neuen Sozialen Bewegungen entsprachen, gehörten: lokale Campesino- und Genossenschaftsbewegungen, Frauengruppierungen, Menschenrechtsorganisationen, Indígena-Organisationen, Stadtteilbewegungen, christliche Basisgemeinden, Umweltschutzgruppen sowie neue autonome Gewerkschaften.

Der Typus der Neuen Sozialen Bewegungen zeichnet sich durch folgende Merkmale aus:

  • Keine Parteianbindung mehr
  • Die Organisierung einer partikularen sozialen Basis und das Auftreten für partikulare Ziele
  • Die Ablehnung von historischen Missionen (wie Revolution, Sozialismus etc.) und die Verfolgung nicht-systemübergreifender Ziele
  • Die Analyse von strukturellen Klassenunterschieden wird nachrangig; es geht um die Gruppeninteressen der AkteurInnen

Die Präsenz dieser wesentlich dezentraleren und partikulareren Bewegungen in den 1980er Jahren hängt nicht zuletzt mit einer erhöhten Wahrnehmung und Aufmerksamkeit für diese Phänomene zusammen. So neu waren sie in vielen Fällen nicht. Sowohl kirchliche Basisinitiativen als auch die Formierung eines politischen Indígena-Bewusstseins gehen auf die 1960er Jahre zurück. Viele der neuen Bewegungen entstanden unter den spezifischen Bedingungen der Militärdiktaturen während der 1970er Jahre.

Der Aufschwung dieser Neuen Sozialen Bewegungen in den 1980er Jahren ist nichtsdestoweniger ein (über die diskursive Wahrnehmung hinausgehendes) empirisches Phänomen. Vielfach ist in den 1980er und 1990er Jahren von einem Sprießen der Graswurzelbewegungen die Rede.

 down 4.4.5.1 Ursachen für den Aufschwung der Neuen Sozialen Bewegungen
 down 4.4.5.2 Demokratisierung – Neoliberalismus – Soziale Bewegungen
 down 4.4.5.3 Beispiele für die Neuen Sozialen Bewegungen
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