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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 1 Las Americas im Vergleich – das "lange" 19. Jahrhundert
 up 1.2 Politische Entwicklung der USA im 19. Jahrhundert

1.2.2 Der Krieg zwischen Mexiko und den USA 1846–1848

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts hatte sich Lateinamerika noch vom Mississippi bis nach Feuerland erstreckt. Nach dem Krieg zwischen Mexiko und den USA 1846–1848 konnten die USA jedoch ein riesiges Gebiet in ihr Territorium eingliedern. Dazu gehörten Texas, Arizona, California, New Mexiko, Nevada und Utah.

Drei Prozesse symbolisierten diesen Gebietsverlust:

1.) Erstens die innenpolitische Instabilität lateinamerikanischer Staaten im Allgemeinen und Mexikos im Besonderen. Die Schwäche der Zentralregierung, der Verlust des Gewaltmonopols, die Vorherrschaft regionaler und lokaler Caudillos und regionale Kriege – all dies waren bestimmende Merkmale der lateinamerikanischen Staaten im 19. Jahrhundert.

So hatte sich auch ein regionaler Caudillo in Texas mit Duldung und Unterstützung der USA von Mexiko unabhängig erklärt. Die Texas-Frage bzw. der vorgebliche Schutz des unabhängigen Texas wurde von den USA als Kriegsgrund herangezogen: Mexiko hatte aus seiner politischen Instabilität heraus diesem Angriff nichts entgegenzusetzen. Das unabhängige Texas wurde kurze Zeit später ebenfalls den USA eingegliedert.

2.) Zweitens spiegelte sich in diesem Krieg die enorme territoriale Expansion der USA im 19. Jahrhundert wider, die mit der Monroe-Doktrin und der manifest destiny ideologisch begründet worden war.

3. ) Drittens vollzog sich mit dem Krieg zwischen Mexiko und den USA der erste offene Interventions- und Okkupationsversuch der USA in Lateinamerika. Die bis heute wirksame, ungleiche und asymmetrische Wechselwirkung zwischen den beiden Amerikas war damit eröffnet. Zugleich läutete diese Auseinandersetzung das Ende der Hegemonie des britischen Einflusses und des britischen Kapitals in Lateinamerika (pax britannica) ein.

Im Friedensvertrag von Guadalupe Hidalgo wurde der Gebietsabtritt vollzogen. "Das größte Immobiliengeschäft der Welt", resümiert Frank Niess (Niess, Frank (1984): Der Koloss im Norden. Geschichte der Lateinamerikapolitik der USA. Fischer: Köln: 24)

Im Zuge dieser Auseinandersetzung, in der Mexiko die Hälfte seines Territoriums verlor, drangen amerikanische Truppen bis nach Mexiko City vor. Die englische Bezeichnung dieser grünuniformierten Truppen (Green Coats) wurde dabei von der Bevölkerung zu gringos verballhornt – das verbreitetste Synonym für den "Koloss im Norden" (Frank Niess), das erlittene Demütigung und Ressentiment gleichermaßen zum Ausdruck bringt, war damit geschaffen.

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