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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika 1980–1985: Chile – Nikaragua – Neue Soziale Bewegungen
 up 4.4.3 Die Sandinistische Revolution in Nikaragua

4.4.3.3 Der Sturz Somozas

Im Januar 1978 wurde Pedro J. Chamorro, die Führungsfigur der bürgerlichen Opposition, ermordet. Die bürgerliche Opposition verkündete daraufhin eine Art Unternehmerausstand, der von der Bevölkerung weitergetragen wurde und sich zum Generalstreik ausweitete. Damit betraten die unterprivilegierten Klassen die Bühne der Auseinandersetzung und verliehen – neben den militärischen Aktivitäten der Frente Sandinista de Liberación Nacional (=FSLN) – dem Kampf gegen Somoza das entscheidende Moment.

Im Februar 1978 kam es zu einem Volksaufstand in Monimbó (ein indianischer Stadtteil Masayas). Dieser wurde blutig niedergeschlagen. Auch gegen den so genannten Septemberaufstand 1978 in sechs Städten ging die Armee in Form eines offenen Angriffs vor. Durch Luftbombardements, Artilleriebeschuss und Terror wurden die Städte zurückerobert.

Die Volksaufstände des Jahres 1978 standen nicht unter direkter Führung der Sandinisten und überraschten deren Führung in ihrer Heftigkeit. Über Massenorganisationen verfügten die Sandinisten zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Nichtsdestoweniger bestanden über das städtische Untergrundnetzwerk der Sandinisten vielfältige Verbindungen zu den aufständischen Stadtbewohnern.

Die Dynamik der Volksbewegung hievte die Sandinisten an die Spitze der Opposition gegen Somoza. Unter dem Eindruck der Aufstände und um der Gefahr einer Verhandlungseinigung zwischen bürgerlicher Opposition und Somoza vorzubeugen (Somocismo sin Somoza), kam es Anfang 1979 zur Wiedervereinigung der FSLN.

Ab 30. Mai 1979 startete die FSLN die Endoffensive: Dabei handelt es sich um ein Zusammenspiel von städtischen Aufständen, Generalstreiks und militärischem Kampf. Die fortgesetzte Unterstützung der USA und einiger anderer Länder für Somoza und seine unnachgiebige Haltung lassen diese Endoffensive zu einem blutigen und langwierigen Kampf werden. Bis der Diktator am 19. Juli 1979 die Flucht ergreift, sterben ca. 15.000 Menschen.

Im Kampf gegen Somoza war der Volksbewegung im Allgemeinen und den städtischen Aufständen und Streiks im Besonderen entscheidendes Gewicht zugekommen. Diese eigenständige Rolle der unterprivilegierten Klassen hinterließ während der 1980er Jahre in der politischen Kultur Nikaraguas ein spezifisches Erbe: Obwohl die aus der Revolution entstandenen Massenorganisationen und sozialen Bewegungen der sandinistischen Führung verpflichtet blieben, vermochten sie ein gewisses autonomes Eigengewicht zu behalten.

Die unmittelbar nach dem Sturz Somozas entstandene Regierungsjunta spiegelte die Rolle und das Opfer sowohl der Volksbewegung als auch der Sandinisten nur bedingt wider. Den politischen Vorstellungen der Terceristas entsprechend erhielten die Vertreter des liberalen Bürgertums zwei von drei Sitzen in der Regierungsjunta.

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