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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4.4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika 1980–1985: Chile – Nikaragua – Neue Soziale Bewegungen
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4.4.3.2 Die Frente Sandinista de Liberación Nacional (=FSLN)

Die Frente Sandinista de Liberación Nacional (=FSLN) entstand bereits zu Beginn der 1960er Jahre als typischer Versuch, die Fokus-Theorie Che Guevaras umzusetzen. In dieser Form erlitt die FSLN mehrere militärische und politische Rückschläge.

Ab Ende der 1960er Jahre zeichnete sich eine Änderung der Vorgehensweise ab: Die FSLN versuchte nun ein städtisches Untergrundnetzwerk (vor allem in den Slums) aufzubauen und eine tatsächliche Verankerung in der Bauernschaft zu erlangen. Der Erfolg dieser Versuche und die operationelle Stärke der FSLN manifestierten sich im Botschafts-Coup im Dezember 1974. Dabei gelang es der FSLN, einige somozistische Spitzen auf einem Botschafts-Empfang als Geiseln zu nehmen und erfolgreich die Freilassung von FSLN-Gefangenen, fünf Millionen US-Dollar und ein öffentliches Kommuniqué zu erpressen. Die darauf folgende Repressionswelle beschleunigte jedoch bereits vorhandene Meinungsunterschiede in der FSLN und führte zur Spaltung in drei Tendenzen. Diese drei Tendenzen spiegeln die Heterogenität und Widersprüchlichkeit des Sandinismus wider.

Die drei Tendenzen und ihre wichtigsten Exponenten lauteten:

1.) Tendencia Proletaria (=TP) (Jaime Wheelock): Die "proletarische Tendenz" forderte eine Umorientierung auf die städtischen Unterschichten und das Industrieproletariat und führte die Bedeutung der sozialen Kämpfe dieser Gruppen ins Treffen. Sie formulierte die Bildung einer marxistisch-leninistischen Partei als Ziel.

2.) Guerra Popular Prolongada (=GPP) (Tomás Borge): Die "Tendenz des verlängerten Volkskrieges" trat für ein fortgesetztes Guerilla-Konzept mit der Bildung einer sozialen Basis auf dem Lande ein. Die Auseinandersetzung mit der Diktatur würde sich als zähe und lange erweisen und könne nur auf militärisch-bewaffnetem Wege bestritten werden.

3.) Tendencia Insurreccional (=TI) bzw. Terceristas (Daniel und Humberto Ortega): Die "Aufstands-Tendenz" stellte die Mehrheit der Mitglieder der Frente und versuchte zwischen den Konzepten der anderen Tendenzen zu vermitteln. Sie stand für einen bewaffneten Kampf auf allen Ebenen (Stadt und Land) und betonte die Wichtigkeit eines allgemeinen Volksaufstandes. Die Terceristas agierten pragmatisch und ideologisch flexibel und schmiedeten breite Bündnisse. Ihnen gelang die Anknüpfung an die Kirche und die verschiedenen christlichen Basis-Initiativen. In ihren Reihen fanden sich viele Anhänger der Befreiungstheologie. Sie verfügte über Kontakte zur städtischen Gewerkschaftsbewegung, zur internationalen Sozialdemokratie und zum liberalen Bürgertum. Die Kontakte zu Letzterem schlugen sich 1977 in der von den Brüdern Ortega begründeten "Gruppe der Zwölf" nieder. Diese Orientierung auf das liberale Bürgertum erleichterte der FSLN einerseits die Erringung einer hegemonialen Position in der anti-somozistischen Opposition. Andererseits mäßigte sie das programmatische Auftreten der FSLN und ließ die sozialrevolutionäre Perspektive in den Hintergrund treten.

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