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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika 1980–1985: Chile – Nikaragua – Neue Soziale Bewegungen
 up 4.4.3 Die Sandinistische Revolution in Nikaragua

4.4.3.1 Die Diktatur des Somoza-Clans

Die Vorläufer- und Bezugsfigur des Sandinismus – Augusto C. Sandino – hatte gegen die Besatzungsmacht USA einen Guerillakrieg geführt. Sein Kampf trug maßgeblich zum Rückzug der USA im Jahre 1933 bei. Der Oberkommandierende der von den USA etablierten Nationalgarde, Anastasio Somoza García, ergriff 1936 die Macht und eröffnete damit die bis zur Sandinistischen Revolution währende Diktatur der Somoza-Dynastie.

Die Familiendiktatur der Somozas hatte ihre Machtbasis in der Nationalgarde, genoss die Unterstützung der USA und baute über die Jahre hinweg ein ökonomisches Imperium auf, das die nikaraguanische Wirtschaft beherrschte.

In den Jahren 1960 bis 1975 vollzog sich in Nikaragua ein langer Wirtschaftsaufschwung. Dieser basierte auf dem Beitritt zur Zentralamerikanischen Freihandelszone (Mercado Común Centroamericano [=MCCA]) und der Forcierung von Baumwollproduktion und Agrarexport. Die Industrialisierungsfortschritte in dieser Phase führten zur Herausbildung eines neuen städtischen Proletariats. Unbeeinflusst von früheren Niederlagen und korporativistischen Gewerkschaftstraditionen brachte diese junge Arbeiterschaft eine neue Militanz bei den Auseinandersetzungen mit den Unternehmen hervor.

Das verheerende Erdbeben von 1972 katalysierte die Opposition gegen Anastasio Somoza Debayle (1967–1979) und führte auch bei Teilen der nikaraguanischen Elite zur Entfremdung gegenüber dem Regime. Grund für dieses Erstarken von Widerstand und Opposition war die hemmungslose Selbstbereicherung der Nationalgarde und des Somoza-Clans an der humanitären Hilfe und an Immobilienspekulationen nach dem Erdbeben. Die Somoza-Diktatur hatte sich zu einem parasitären Apparat verselbstständigt, welcher der privaten Akkumulation des Somoza-Clans diente.

Im Gefolge der Wirtschaftskrise ab Mitte der 1970er Jahre bündelte sich diese Entfremdung unter den Eliten in der bürgerlichen Unión Democrática de Liberación (=UDEL). An ihrer Spitze stand der Zeitungsherausgeber Pedro J. Chamorro.

Die eintretende Wirtschaftskrise ließ die sozialen Folgen des vorausgehenden Booms besonders deutlich zu Tage treten: der Reichtums- und Landkonzentration stand ein wachsendes Heer Landloser und städtischer Armer gegenüber.

Der parasitäre Charakter der Diktatur, die Wirtschaftskrise, die extremen sozialen Gegensätze und die Militanz der neuen proletarischen Schichten führten zu einer Radikalisierung in den 1970er Jahren. Sichtbar wurde diese Radikalisierung an der zunehmenden Unterstützung für die sandinistische Befreiungsfront (Frente Sandinista de Liberación Nacional [=FSLN]). Das Regime begegnete diesem Prozess mit verstärkter Repression.

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