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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika 1980–1985: Chile – Nikaragua – Neue Soziale Bewegungen

4.4.3 Die Sandinistische Revolution in Nikaragua

Die 1970er Jahre waren in Lateinamerika ein Jahrzehnt der Militärdiktaturen bzw. der anti-revolutionären Regime. Ökonomisch versuchten sie sich als Träger einer (wieder stärker auf Auslandsinvestitionen ausgerichteten) Modernisierung. Politisch zerschlugen sie das gesamte Spektrum der sozialen Bewegungen durch offenen Staatsterrorismus. Aus der Sicht der sozialen Bewegungen erwiesen sich die 1970er Jahre seit dem Putsch gegen Salvador Allende als Epoche der Niederlage und der Reaktion.

Kein Terror-Regime kann jedoch die Regungen und Selbstinitiativen der Menschen, allen voran der unterprivilegierten Klassen, völlig unterdrücken. So konnten sich auch die sozialen Bewegungen während der Militärdiktaturen neu organisieren. Sie hatten ihre Form und Ausrichtung jedoch geändert: Frauenorganisationen, Verbände der Angehörigen von Verschwundenen (wie die Madres oder die Abuelas de Plaza de Mayo in Argentinien) oder christliche Basisgemeinden organisierten nun Selbsthilfe und sammelten den Widerstand gegen die Regime um sich.

Gesamthistorisch und vor allem symbolisch vermochte erst die Sandinistische Revolution in Nikaragua 1979 die Friedhofsstille in Lateinamerika zu durchbrechen. Sie bündelte – ähnlich wie die Kubanische Revolution und die Unidad-Popular-Regierung in Chile – die Hoffnungen von Millionen von AktivistInnen. Regional fungierte sie sogar als Leitrevolution: Zentralamerika war durch die 1980er Jahre hindurch einer der größten regionalen Konfliktherde der Welt. Die Interventionspolitik der USA erreichte im Kampf gegen die Guerilla- und Volksbewegungen einen neuen Höhepunkt.

Mit der Sandinistischen Revolution verband sich auch die Abkehr von der reinen Guerilla im Sinne des Fokus-Konzepts Che Guevaras. Nur Bündnisse mit anderen sozialen Bewegungen und die Kombination ländlicher und urbaner Operationen ermöglichten den Sieg in Nikaragua.

Das sandinistische Regime spiegelte auch die Pluralisierung und Partikularisierung der sozialen Bewegungen in Lateinamerika wider: Bauern-, Genossenschafts- und kirchliche Basisorganisationen traten als eigenständige Akteure auf. Die Partizipation von unten und der Pluralismus innerhalb der sozialen Bewegungen galten – zumindest verbal – als Grundlage des sandinistischen Regimes.

 down 4.4.3.1 Die Diktatur des Somoza-Clans
 down 4.4.3.2 Die Frente Sandinista de Liberación Nacional (=FSLN)
 down 4.4.3.3 Der Sturz Somozas
 down 4.4.3.4 Die sandinistische Regierungszeit
 down 4.4.3.5 Das Ende des sandinistischen Regimes
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