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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika 1980–1985: Chile – Nikaragua – Neue Soziale Bewegungen
 up 4.4.2 Chile 1970–1973: Der dritte Weg zur Gesellschaftsveränderung

4.4.2.3 Allende und der friedliche Weg

Der im Jahre 1908 geborene und aus bürgerlichem Hause stammende Salvador Allende Gossens war einer der Mitbegründer der Partido Socialista im Jahre 1933. Seit 1952 kandidierte Allende bei den Präsidentschaftswahlen, erst im Jahre 1970 errang er einen Wahlsieg.

Allende kann als traditioneller Sozialist bezeichnet werden: Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel war für ihn das Kriterium für die Etablierung einer neuen Gesellschaftsordnung.

Seit den Überlegungen von Karl Marx zur Niederschlagung der Pariser Kommune 1871 galt in der revolutionären Arbeiterbewegung der Bruch mit dem institutionellen Gefüge der bürgerlichen Gesellschaft und die Zerschlagung des alten Staatsapparates als Voraussetzung für eine gesellschaftliche Transformation.

Die Vorstellungen der Guerilla und die Fokus-Theorie Che Guevaras hatten diesen Bruch jedoch gedanklich aus den Händen einer Massenbewegung genommen und ihn in erster Linie auf eine militärische Technik der Machteroberung durch eine kleine Gruppe Entschlossener reduziert. Die Vorstellungen Allendes stellten sich hingegen dezidiert gegen diese aufstandsorientierte Auffassung gesellschaftlicher Veränderung.

Für Allende führte der Weg zu einer neuen Gesellschaft durch und über das bestehende konstitutionelle System. Der Staatsapparat sollte zur Einführung des Sozialismus und damit zu seiner eigenen Überwindung benutzt werden.

Allende vertraute damit in die Nicht-Intervention von Armee und Polizei in politische Belange. Justiz, Parlamente und weitere Institutionen des Staates sollten erhalten bleiben.

Das Vertrauen in die vermeintliche Neutralität der konstitutionellen Institutionen und die Orientierung auf die konstitutionellen Körperschaften stellen ein zentrales Element des Chilenischen Weges zum Sozialismus dar – diese Orientierung wurde von vielen auch als Hauptgrund für das blutige Scheitern Allendes interpretiert.

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