Chile verfügte (neben Uruguay) über eines der stabilsten konstitutionellen Systeme Lateinamerikas.
Früh kam es in Chile zur Herausbildung von Arbeiterparteien (1922 KP, 1933 Partido Socialista). Die Partido Socialista war extrem heterogen. Die sozialistische Partei entstand sowohl aus liberal-sozialdemokratischen Traditionen als auch aus Linksabspaltungen von der kommunistischen Partei. Diese Linksabspaltungen hatten gegen die Stalinisierung der Kommunisten opponiert. Ingesamt vertrat die Partido Socialista in vielen Bereichen einen radikaleren Kurs als die KP. Im Jahre 1938 war es in Chile zur Bildung der einzigen Volksfront-Regierung in Lateinamerika gekommen.
Doch noch in den späten 1950er Jahren waren große Teile der Bevölkerung aus dem politischen System ausgeschlossen: Landarbeiter und Kleinbauern konnten sich nur unter der manipulativen Kontrolle der Großgrundbesitzer an den Wahlen beteiligen. Die Wahlberechtigung war mit einer Alphabetisierungs-Anforderung verbunden; die komplizierten Eintragungsmechanismen in das Wahlregister hinderten auch die Bewohner der städtischen Slum-Bezirke an der Wahlteilnahme.
Ökonomisch war Chile vom Weltmarkt abhängig (Export von Salpeter, später vor allem von Kupfer). Darüber hinaus litt die Landbevölkerung unter der extrem ungleichen Landverteilung. |