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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 1 Las Americas im Vergleich – das "lange" 19. Jahrhundert

1.2 Politische Entwicklung der USA im 19. Jahrhundert

Die politischen Entwicklungen der USA im 19. Jahrhundert haben in Vergleich zu Lateinamerika einen anderen Verlauf genommen. Während des 19. Jahrhunderts erlangte die Entwicklung der USA einen maßgeblichen Einfluss auf Lateinamerika.

Die Unabhängigkeitsbewegungen in Nord- und Lateinamerika zeitigten unterschiedliche Ergebnisse. Im Gegensatz zu Lateinamerika konnte sich der Konföderationsgedanke in der nordamerikanischen Unabhängigkeitsrevolution (1775–1783) durchsetzen. Sozialrevolutionäre Bewegungen von unten, die auch ein Kennzeichen der lateinamerikanischen Unabhängigkeitsbewegungen waren, wurden relativ schnell niedergeschlagen bzw. integriert. Durch den Amerikanischen Bürgerkrieg (1861–1864) gelang es, die Auseinandersetzung um die politische und ökonomische Vorherrschaft innerhalb der USA zu entscheiden. Diese Auseinandersetzung verlief zwischen den verschiedenen Produktionsweisen im Norden (freies Farmertum und beginnende industriell-kapitalistische Entwicklung) und im Süden (auf Sklavenwirtschaft beruhende Agrarexportökonomie). Nicht zuletzt ging es dabei um die handelspolitische Ausrichtung: Freihandel und Außenorientierung (Süden) oder Protektionismus und Binnenorientierung (Norden). Die Entscheidung zugunsten einer binnenmarktorientierten Entwicklung setzte das kapitalistische Entwicklungspotenzial frei. In Lateinamerika vermochte diese Auseinandersetzung um die allgemeine wirtschaftliche Orientierung trotz jahrzehntelanger blutiger Konflikte in kaum einem Land eindeutig entschieden zu werden.

Zugleich setzte im 19. Jahrhundert in den USA eine beispiellose territoriale Expansionsbewegung ein. Dies bedeutete zuallererst eine Ausgrenzung und Ausrottung der Indianer Nordamerikas. Der trail of tears unter Präsident Andrew Jackson (1829–1837) steht dafür stellvertretend. Ökonomisch stand hinter dieser Verdrängung die Urbarmachung der Great Plains für die Viehzucht.

Folgende Eckdaten vermitteln ein Bild von der Geschwindigkeit dieser Expansion:

  • Die teilweise kriegerischen Vorstöße 1846–1848 führten zur Inkorporierung der Hälfte des mexikanischen Territoriums.
  • 1846: Aufteilung von Oregon zwischen USA und Kanada
  • 1846–48: Annexion von Texas, Arizona, California, New Mexiko, Nevada und Utah
  • 1853: Gadsden Purchase: zusätzlicher Landstreifen in Arizona und New Mexico
  • 1867: Kauf Alaskas von Russland
  • 1898: Annexion von Hawaii und Protektorate im Pazifik und in der Karibik (z.B. Kuba)

Zwei bekannte ideologische Kurzformeln zur Begründung dieses Expansionsprozesses entstanden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Erstens die 1823 formulierte Monroe-Doktrin, die mit den Worten "Amerika den Amerikanern" letzten Endes einen Hegemonialanspruch auf den Doppelkontinent erhob. Zweitens die manifest destiny. Der Journalist John L. O Sullivan setzte dabei die amerikanische Kultur mit der Zivilisation überhaupt gleich. Die Menschheit habe nach O Sullivan mit dem Aufstieg der USA zugleich den Gipfel der Zivilisation erklommen. Die Erschließung und der Besitz des Kontinents sei die "offenkundige Bestimmung" der Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Herstellung einer transkontinentalen Eisenbahnverbindung besiegelte im Mai 1869 diese Expansion. Damit konnte die Viehzucht der Great Planes bzw. ihre Fleischlieferungen Anschluss an den Weltmarkt erlangen. Ende des 19. Jahrhunderts kamen bereits 70% des Fleischbedarfs Großbritanniens aus den USA.

 down 1.2.1 Die Monroe-Doktrin
 down 1.2.2 Der Krieg zwischen Mexiko und den USA 1846–1848
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