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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.3 Die Kubanische Revolution 1959

4.3.4 Die historische Blockade von Reformen – der Hintergrund der Kubanischen Revolution

Fidel Castro war als bürgerlicher Revolutionär an die Macht gekommen. In seinem nationalistischen Diskurs verband sich die Forderung nach echter Unabhängigkeit von den USA mit einer "sozialdemokratischen" Vorstellung von binnenorientierter Entwicklung, gesellschaftlicher Modernisierung und Sozialreform. Ein grundsätzlicher Bruch mit dem Kapitalismus als der gesellschaftlichen Rahmenstruktur war Castros Ansinnen nicht.

Wie konnte es dann innerhalb von nur zwei Jahren zu einer völlig anderen Entwicklung kommen? Diese Frage spielt in der Literatur zur Kubanischen Revolution eine zentrale Rolle:

  • War es der persönliche Machtwille Fidel Castros und seine Kompromisslosigkeit?
  • War es die Ungeschicktheit der Politik der USA?
  • War es allein der Druck durch die Mobilisierung der unteren Klassen im Verlaufe der Kubanischen Revolution?

Abgesehen von den konkreten Ereignissen, welche zur radikalen Transformation in Kuba führten, stellt sich die Frage nach dem strukturellen Hintergrund der kubanischen Entwicklung. Es geht dabei allgemein um die Frage, warum sich für Lateinamerika der reformerische Weg nachholender Modernisierung tendenziell als blockiert erweist. Diese Frage bildete den Ausgang der in den 1960er Jahren entstandenen Dependenztheorie und ihrer Kritik an den Reformvorstellungen des CEPALismo.

Aus einer historischen Perspektive ist die Herausbildung einer modernen bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft mit folgenden Eckpunkten verbunden:

  • Lösung der Agrarfrage
  • Bildung eines unabhängigen Nationalstaates
  • Entwicklung einer vom Auslandskapital unabhängigen Industrie
  • Etablierung einer parlamentarischen Demokratie

  • Unterentwickelte Länder konnten diese Eckpunkte historisch nicht durchlaufen. Ihre Modernisierung verläuft nur partiell. Die Erscheinungsform des Kapitalismus in diesen Ländern trägt unfertige Züge. Manche Indikatoren weisen – wie im Falle Kubas vor der Revolution – auf ein hohes Entwicklungsniveau hin, die oben angeführten Eckpunkte einer gesellschaftlichen Modernisierung bleiben jedoch trotzdem (teilweise) uneingelöst. Für die Beschreibung dieser heterogenen Situation wurden in den theoretischen Diskussionen verschiedenste Begriffe gewählt: kombinierte und ungleiche Entwicklung sowie Einheit der Gegensätze in der marxistischen Diskussion, Entwicklung der Unterentwicklung in der Dependenztheorie, Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen in weltsystemischen Ansätzen und Hybridität in eher kulturwissenschaftlich orientierten Debatten.
  • Diese Begriffe verweisen auf einen zentralen Umstand: Unterentwickelte Länder können eine Wiederholung der Entwicklung in den Metropolen nicht linear nachvollziehen.

     down 4.3.4.1 Die Gründe?
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