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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.3 Die Kubanische Revolution 1959
 up 4.3.3 Die Diktatur Batistas und die Bewegung M-26-7

4.3.3.3 Der Sturz Batistas und der Sieg der Revolution

Im Verlaufe des Jahres 1958 zeigte das Batista-Regime zunehmend Zeichen des Verfalls: Militärische Niederlagen gegen die Guerilla, Repressionsexzesse, der Verlust der Unterstützung aller Bevölkerungsgruppen (auch der kubanischen Bourgeoisie) sowie der USA. Die Guerilla um Fidel Castro vermochte sich – trotz kaum vorhandener organisatorischer Verbindung zur Masse der Bevölkerung – an die Spitze des Widerstandes zu stellen. Militärische Siege, der Bruch mit allen kompromissbereiten, politisch etablierten (und diskreditierten) Oppositionsgruppen und die epische Dimension des Guerilla-Kampfes trugen zu dieser Hegemonialstellung bei.

Kurz vor Weihnachten 1958 startete die Guerilla eine Offensive. Um die Stadt Santa Clara kam es zu den schwersten Kämpfen im Zuge der Revolution. Nach der Einnahme der Stadt überschlugen sich die Ereignisse: Am 1. Januar 1959 ergreift Diktator Fulgencio Batista die Flucht. Es kommt zum Zusammenbruch der Armee. Am 8. Januar 1959 zieht Fidel Castro triumphal in Havanna ein.

Entscheidend für den endgültigen Zusammenbruch der Batista-Diktatur und den Sieg der Revolution war jedoch ein spontaner einwöchiger Generalstreik zwischen dem 1. und dem 8. Januar.

Die Gesamtstärke der Guerilla überstieg in der Endphase nicht die Zahl von 3.000 Kämpfern. Wie Castro mit einer derart kleinen Truppe die Diktatur besiegen konnte, brachte der französische Journalist Claude Julien folgendermaßen auf den Punkt: "Castro hat den Gegner nicht vernichtet. Dieser war, bis ins Knochenmark verfault, zusammengebrochen." (zitiert nach: Goldenberg, Boris (1963): Lateinamerika und die Kubanische Revolution. Kiepenheuer & Witsch: Köln/ Berlin: 214)

Im Januar 1959 kam es zur Bildung einer Koalitionsregierung aller Oppositionskräfte. Fidel Castro rief eine "humanistische Revolution" aus, die anfänglich auch in den USA mit großem Wohlwollen betrachtet wurde. Im Verlaufe von nur zwei Jahren war das Bündnis der Oppositionskräfte auseinandergebrochen, die Konfrontationsstellung zu den USA offensichtlich. Zudem war eine gesellschaftliche Transformation vonstatten gegangen, die erstmals in der Geschichte Lateinamerikas mit dem Kapitalismus als Gesellschaftssystem brach.

Die Guerilla wurde zum Gründungsmythos des neuen Kuba. Guerilla-Anzüge, Bärte und Stiefel avancierten zum official dress. Der Topos des Kampfes und des Opfers für das neue Kuba, der Zusammenschluss gegen den äußeren Feind und die Konzentration auf charismatische Führerfiguren (Fidel Castro, Che Guevara) wurden identitätsstiftende Grundlagen der politischen Kultur Kubas.

Die Selbstdarstellung und Wahrnehmung der bärtigen Helden als alleinige Befreier und Bezwinger der Diktatur war jedoch äußerst selektiv. Sie ließ die Bedeutung anderer politischer Aktionsformen ins Hintertreffen geraten. Das galt sowohl für die städtischen Aktivitäten des Movimiento 26 de Julio (=M-26-7) (Demonstrationen, Sabotage, Attentate) als auch für die Rolle des Generalstreiks zu Beginn des Jahres 1959. Das Hauptoperationsgebiet befand sich im Osten (Sierra Maestra), in Zentral-Kuba (Escambray) entwickelte sich ein wesentlich kleineres zweites Operationsgebiet.

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