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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.3 Die Kubanische Revolution 1959
 up 4.3.3 Die Diktatur Batistas und die Bewegung M-26-7

4.3.3.2 Das Jahr 1958

Die von Fidel Castro Ruz (1926– ) angeführte Movimiento 26 de Julio (=M-26-7) verfügte über zwei Schwerpunkte: einerseits den Guerillakampf in der abgelegenen Sierra Maestra, andererseits den städtischen Kampf.

Die städtischen Zellen der M-26-7 führten Propagandaaktionen und Attentate durch, begingen Sabotageakte und legten Bomben. Dieser urbane Kampf war im Allgemeinen viel blutiger und opferreicher als der Guerilla-Kampf Fidel Castros in den Bergen der Sierra Maestra. Ein Großteil der sich stetig erhöhenden Repression des Batista-Regimes richtete sich gegen diese städtischen AktivistInnen.

Guerilla-Kolonne in der Bergen der Sierra Maestra mit Fidel Castro

Die Guerilla in den Bergen verfügte bis Mitte 1958 nur über wenige Kämpfer, in etwa 200 bis 300 Mann. Dass es sich bei dieser Guerilla um eine Bauernguerilla gehandelt haben soll, kann als Mythos bewertet werden. Wie schwierig ein präzises Bild des Anteils von Bauern an der Guerilla ist, zeigen die unterschiedlichen Schätzungen in der Literatur. Die Angaben variieren zwischen 10% und 70%. Die höheren Zahlen verlassen sich dabei auf Selbstdarstellungen der Revolution und konzentrieren sich auf die Endphase des Kampfes, als die Anzahl der Kämpfer sprunghaft anstieg. Der Anteil bäuerlicher Kämpfer darf jedoch nicht mit der Unterstützung der in den Aktionsgebieten der Guerilla lebenden Bauern verwechselt werden. Diese Unterstützung war durchaus hoch, zumal es in der Sierra Maestra mit ihren verstreut lebenden Bauern eine Tradition des sozialen Banditentums gegen Großgrundbesitzer gab.

Fidel Castro und seine Guerilla wurden bis Anfang 1958 von der kubanischen Armee kaum behelligt. Das Regime nahm die Bedrohung zuerst nicht ernst, die militärischen Konfrontationen gingen selten über Scharmützel hinaus. Das gab der Guerilla Zeit, sich nach den prekären Anfängen im Jahre 1957 zu reorganisieren.

Im April 1958 versuchte die M-26-7 einen Generalstreik auszurufen. Bei diesem Generalstreiksversuch kam der dirigistische Charakter der M-26-7 plastisch zum Ausdruck. Der Generalstreik wurde konspirativ organisiert und der Arbeiterschaft von außen anbefohlen. Das klägliche Scheitern dieses Generalstreiksversuchs machte den geringen Bezug der M-26-7 zu den organisierten sozialen Bewegungen, vor allem dem Proletariat deutlich. Der Misserfolg stärkte Fidel Castro und die als sierras (Bergler) bezeichnete Fraktion der Guerilla-Kämpfer innerhalb der M-26-7. Denn das Scheitern des Streiks schien der Vorstellung Recht zu geben, dass ein städtischer, auf Massenaktionen basierender Kampf ein ungangbarer Weg gegenüber den bewaffneten Aktionen in den Bergen sei. In den (teils heftigen) Auseinandersetzungen innerhalb der M-26-7 betonte Fidel Castro zunehmend den Vorrang des Guerilla-Kampfes vor den Aktionsformen der städtischen Teile der Bewegung.

Durch die Repressionsexzesse und eine gescheiterte Offensive gegen die Guerilla Anfang 1958 verlor Batista die Unterstützung beinahe aller Teile der Bevölkerung. Auch die USA entzogen ihm die Unterstützung und unterbanden ab März 1958 alle Waffenlieferungen. Die Armee zeigte zunehmend Verfallserscheinungen.

Trotz der geringen Verbindung zu großen Teilen der Bevölkerung – symbolisch und propagandistisch gelang es Fidel Castro im Verlaufe des Jahres 1958, sich und seine Bewegung an die Spitze des Widerstandes gegen Batista zu setzen. Der klare Führungsanspruch der Guerilleros, das kompromisslose Auftreten gegen Batista und die militärischen Erfolge gegen seine Armee verschafften den bärtigen Kämpfern aus den Bergen große Unterstützung und ein hohes Prestige.

Ab dem Sommer 1958 verließen einige Guerilla-Einheiten die Berge Ostkubas und rückten unter der Führung Ernesto "Che" Guevaras (1928–1967) und Camilo Cienfuegos Richtung Zentral-Kuba vor.

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