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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.3 Die Kubanische Revolution 1959

4.3.3 Die Diktatur Batistas und die Bewegung M-26-7

Die ab 1952 einsetzende neuerliche Militärdiktatur Fulgencio Batistas wird als zunächst milde bzw. schwache Diktatur beschrieben. Streikbewegungen, wie einen einwöchigen Streik von 500.000 Arbeitern in der Zuckerindustrie im Jahre 1955, konnte sie nicht verhindern.

Zu Beginn der Diktatur beschränkte sich der Widerstand auf studentische Gruppierungen und das Umfeld der ortodoxos. Die ortodoxos, eine relativ kleine nationalistisch-populistische Gruppierung, fand ihre Basis vor allem unter Mitgliedern der städtischen Mittelschicht.

Von Parteien wie den ortodoxos bestanden fließende Übergänge zu einer seit den 1920er Jahren bestehenden Szene von studentisch geprägten Polit-Gangs: verbal revolutionär auftretend und in der Ideologie konfus, verloren sich viele von ihnen in kriminellen Aktivitäten.

Fidel Castro Ruz (1926– ) selbst kam aus dem Milieu der ortodoxos. Er bildete jedoch mit Beginn der Diktatur seine eigene Gruppe, die er auf eine spektakuläre Einzelaktion einschwor.

Die Moncada-Kaserne in Santiago de Cuba, die größte des Landes, sollte angegriffen werden. Das Konzept dahinter: Mit einer maximalistischen, verwegenen Einzeltat (165 Angreifer gegen 1.000 Soldaten) sollte der Funke für einen Aufstand überspringen. Dabei wird bereits ein Grundelement des ideologischen Gepräges von Fidel Castro und seiner Vorstellung von der Art und Weise des politischen Kampfes deutlich: Die Revolution ist bei ihm kein zu initiierender gesamtgesellschaftlicher Prozess, sondern ein konspirativ-elitärer Aufstand.

Der Publizist Günter Machke über Castros Sichtweise des politischen Kampfes: "Das ‚Volk ist in diesem Plan die unbekannte magische Größe. Castro definiert es in den moralischen Kategorien des lateinamerikanischen Populismus: Das ‚Volk sind die Arbeitssamen, Ehrlichen, Armen, das Volk ist tapfer und gerecht [...]. Man muß dem Volke seinen Willen klarmachen durch eine beispielgebende Aktion, aus eigener Kraft kann es dies nicht. Die selbsternannte Elite, seine ‚besten Söhne müssen es aufrütteln." (Maschke, Günter (1973): Kritik des Guerillero. Zur Theorie des Volkskrieges. S. Fischer: Frankfurt a. Main: 62)

Am 26. Juli 1953 vollzog die Gruppe um Fidel Castro den Angriff auf die Moncada-Kaserne. Die Aktion scheiterte dilettantisch, nur wenige Kämpfer überlebten, unter ihnen Fidel Castro.

Castro gelang es, aus dem darauf folgenden Gerichtsverfahren einen der legendären politischen Prozesse des 20. Jahrhunderts zu machen. "Die Geschichte wird mich freisprechen", so der oft zitierte Schlusssatz seiner Verteidigungsrede.

Nachdem Castro 1955 eine Amnestie gewährt worden war, ging er ins mexikanische Exil.

In Mexiko traf der Argentinier Ernesto "Che" Guevara de la Serna (1928–1967) auf die Gruppe um Fidel Castro. Sie unterzogen sich einem militärischen Training und trafen Vorbereitungen zu einem neuerlichen Anlauf gegen die Diktatur Batistas. Mit der Yacht Granma versuchten die 82 Kämpfer im Dezember 1956 auf Kuba überzusetzen. Der (konspirativ) geplante Aufstand und der (von außen inszenierte) Generalstreik scheiterten genauso, wie das Übersetzen der Yacht. Von 82 Mann blieben nur zwölf am Leben. Es kam zu einem Rückzug in die Berge Ostkubas (Sierra Maestra). Die Guerilla entstand damit als Verlegenheitsstrategie aus den Umständen eines gescheiterten Aufstandsversuchs heraus.

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 down 4.3.3.2 Das Jahr 1958
 down 4.3.3.3 Der Sturz Batistas und der Sieg der Revolution
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