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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.3 Die Kubanische Revolution 1959

4.3.1 Kuba – von der Kolonie zur Halbkolonie

Kuba, die größte Insel der Karibik, verfügte über eine Sonderstellung im spanischen Kolonialreich. Einerseits gehörte es zu den wenigen Gebieten unter der Herrschaft der spanischen Krone, in welchem die ursprüngliche indianische Bevölkerung der Kolonisierung vollständig zum Opfer gefallen war. So etablierte sich in Kuba, im Gegensatz zum restlichen Spanisch-Amerika, eine Sklavenökonomie. Ab dem späten 18. Jahrhundert kam es zu einer sprunghaften Ausweitung der mit Sklaven bewirtschafteten Plantagenökonomie (Zucker, Tabak).

Kuba erlangte als letztes Land des ehemaligen spanischen Kolonialreiches die Unabhängigkeit. Die Angst der Criollo-Elite vor einer Sklavenrevolution wie in Haiti (1804) ließ die Unabhängigkeitsbestrebungen erst in den Unabhängigkeitskriegen von 1868 bis 1876 und 1895 bis 1898 zu Tage treten. An der Spitze der Unabhängigkeitsbewegung stand José Martí (1853–1895).

Am Ende des zweiten Unabhängigkeitskrieges intervenierten die USA militärisch und ersetzten die spanische Kolonialherrschaft durch eine US-amerikanische Besatzung. Mit dem Platt Amendment von 1898 ließen sich die USA das Interventionsrecht auf Kuba verfassungsmäßig verbriefen. Die 1902 formal erlangte Unabhängigkeit kann nur als abhängige Unabhängigkeit bezeichnet werden. Die USA intervenierten bis in die 1920er Jahre mehrfach, die Regierungen Kubas verfügten über keinen souveränen Handlungsspielraum. Der politische Status einer Halbkolonie spiegelte die im späten 19. Jahrhundert entstandene Dominanz der USA in Zuckeranbau und Verarbeitung sowie in allen weiteren Industrie- und Transportbereichen wider. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich ein wichtiges Element der Kubanischen Revolution: der gegen die USA gerichtete Nationalismus.

Die strukturelle Deformation der kubanischen Ökonomie durch die nahezu ausschließliche Abhängigkeit von der Zuckerproduktion zeitigte auch politische Folgen. Als es ab Beginn der 1920er Jahre zu einem Preisverfall des Zuckers auf dem Weltmarkt kam, konnte die herrschende Oligarchie der politischen Instabilität nur durch die Errichtung einer Diktatur Herr werden. Die Diktatur des Generals Gerardo Machado (1925–1933) steht im direkten Zusammenhang mit intensiven sozialen Bewegungen in verschiedenen Bereichen der kubanischen Ökonomie.

 down 4.3.1.1 Kuba: Elendshöhle oder Prosperität?
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