Seit dem 19. Jahrhundert prägte der exportorientierte Kaffeeanbau die Ökonomie Nikaraguas. Politisch durchlief das Land eine Serie von konservativen oder liberalen Diktaturen und sah sich mit Interventionen von US-Söldnern konfrontiert. Nach dem Sturz des liberalen Präsidenten Zelaya (1909) kam es zu einem Bürgerkrieg, in den die USA 1912 militärisch intervenierten. Von 1912 bis 1933 hielten die USA das Land fast durchgehend besetzt. Ab Ende der 1920er Jahre entwickelte sich unter den Führung Augusto Cesar Sandinos (1895–1934) ein Guerilla-Krieg gegen diese Besatzung.
Augusto C. Sandino war das Kind einer Plantagenbäuerin. Bis zu seiner Rückkehr 1926 nach Nikaragua verdingte er sich als Arbeitsmigrant in Mittelamerika.
Gegen die US-amerikanische Besatzungsmacht organisierte er im Jahre 1926 die Bewaffnung einer Truppe von Bergarbeitern. Aus dieser Initiative entstand um das Jahr 1927 das "Verteidigungsheer der nationalen Souveränität". Damit vollzog Sandino den Übergang zu einer bewussten Guerilla-Strategie. Der Kampf gegen die US-Truppen und die 1927 begründete Nationalgarde war militärisch durchaus erfolgreich. Sandino versuchte eine Bauernarmee entlang politischer Motivation und nicht im Sinne einer Caudillo-Gefolgschaft aufzubauen. Der Befreiungskampf sollte eine Form der politischen Massenmobilisierung sein.
Als die US-amerikanischen Truppen 1933 abzogen, ließ Sandino seine Armee entwaffnen. Dies erwies sich als folgenschwerer Fehler. Die Nationalgarde unter dem Oberkommandanten Anastasio Somoza García brach die Abmachungen mit Sandino und ging 1934 zur Verfolgung der ehemaligen Guerillakämpfer über. Sandino wurde unter dem Vorwand, Verhandlungen mit ihm eingehen zu wollen, von der Nationalgarde in einen Hinterhalt gelockt und ermordet. Das Jahr 1936 markiert den Beginn der Somoza-Diktatur, die bis 1979 anhalten sollte.
Die Guerilla als militärische Strategie und Methode des politischen Kampfes hatte bereits in der Mexikanischen Revolution eine gewichtige Rolle gespielt. Mit Augusto Sandino trat der Guerilla-Kampf als wichtiges Element auf die Bühne der Geschichte der sozialen Bewegungen in Lateinamerika. Sandinos Konzept ließ zugleich auch die Schwachstellen dieser Konzeption zu Tage treten: Konzentration auf militärische Fragen und das Fehlen fundierter Vorstellungen für die Zeit nach dem erfolgreichen Kampf. |