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Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
a.o. Univ. Prof. Martina Kaller-Dietrich und Mag. David Mayer
Institut für Geschichte der Universität Wien
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 up 4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert
 up 4.2 Soziale Bewegungen vor 1945
 up 4.2.1 Die Mexikanische Revolution 1910–1917

4.2.1.6 Die Arbeiterschaft in der Mexikanischen Revolution

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung während des Porfiriats vergrößerte sich das Industrieproletariat sprunghaft. Konkrete Mobilisierungen und Arbeitskämpfe konzentrierten sich vor und während der Revolution auf den Norden und die Atlantikküste. Die institutionelle Herausbildung einer Arbeiterbewegung vollzog sich allerdings größtenteils in der Hauptstadt.

Die heftigsten sozialen Bewegungen gingen während des Porfiriats nicht von der Landbevölkerung, sondern vom nördlichen Industrieproletariat aus. Die Streiks von Cananea 1906 (Bergbau) und von Río Blanco 1907 (Textilindustrie) wuchsen zu lokalen Aufständen heran. Sie wurden blutig niedergeschlagen.

Erste Gewerkschaftsformierungen entstanden unter anarcho-syndikalistischem Einfluss (als Vorbild galt die US-amerikanische Gewerkschaft Industrial Workers of the World [=IWW]).

In den ersten Jahren der Revolution stand die organisierte Arbeiterschaft in der Hauptstadt abseits. Im Jahre 1912 wurde die Gewerkschaftszentrale Casa del Obrero Mundial gegründet, die sich zur Neutralität im revolutionären Konflikt verpflichtet fühlte. Damit folgte sie der anarchistischen Tradition, Distanz zu politischen Auseinandersetzungen zu halten.

In den nördlichen Industriezentren nahmen Arbeiter jedoch zahlreich an den revolutionären Erhebungen teil. General Álvaro Obregón vollzog im Auftrage Venustiano Carranzas, des Führers der Constitucionalistas, nach 1914 eine Annäherung an die Casa del Obrero Mundial. Dieses Bündnis war für Carranza aufgrund des Drucks der agrarrevolutionären Bewegungen notwendig geworden. Die konstitutionalistischen Generäle ließen der Gewerkschaft offene Unterstützung zukommen, im Gegenzug formierten sich Teile der Arbeiterschaft in sechs "roten Bataillonen" und zogen gegen Pancho Villa in den Kampf. Nachdem die Gefahr durch die Truppen von Zapata und Villa gebannt war, drängten die siegreichen liberalen Revolutionsführer den Einfluss der Arbeiterbewegung wieder zurück. Ihren Ansprüchen wurde nun mit offener Repression begegnet (1916: Verhängung der Todesstrafe für Streiks).

Das Bündnis zwischen Revolutionselite und Industriearbeiterschaft sollte zu einem konstitutiven Merkmal des post-revolutionären Mexikos werden. Das Muster von Integration, Zugeständnissen und Förderung einerseits und Repression andererseits wurde dabei fortgesetzt.

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